1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Lieber lauern statt kauern

  6. >

Archiv

Lieber lauern statt kauern

Cedric Gebhardt

Ahlen / Dortmund. „Es ist schade Jens Lehmann, dass man dich bei uns so selten seh’n kann“, dichtete Xavier Naidoo in seiner Hymne „Danke“ für die erfolgreichen deutschen WM-Helden im Sommer 2006. Eine Zeile widmete er dabei auch dem Nationaltorhüter. Dieser wurde vor einigen Wochen heftig mit Borussia Dortmund in Verbindung gebracht, nachdem sich dort Roman Weidenfeller schwer an der Schulter verletzt hatte und noch wochenlang fehlen wird.

Beim BVB in Lauerstellung seit jener Zeit auch der Ex-Ahlener Marcel Höttecke. Er fand es ganz und gar nicht schade, dass Jens Lehmann im fernen London beim FC Arsenal geblieben ist, denn so witterte er seine Chance. Der 20-Jährige stand Gewehr bei Fuß und saß schon bei den Bundesliga-Partien gegen Rostock, Cottbus und Bremen sowie im DFB-Pokal gegen Magdeburg und Frankfurt als Nummer zwei auf der Bank. Mit der Verpflichtung Alexander Bades Ende Januar kehrte jedoch ein wenig Ernüchterung ein. Borussias Manager Michael Zorc beruhigte den fast zwei Metern langen Schlacks jedoch mit überzeugenden Argumenten.

„Zorc hat gesagt, dass es mir im Endeffekt mehr bringt, in der Regionalliga zu spielen, als oben weiter auf der Bank zu sitzen“, will Höttecke lieber lauern statt kauern. Und dort, in der Regionalliga, zeigte er in der Hinrunde klasse Leistungen, wurde sogar von den Fans beim Internetportal fangeist.de zum besten Torhüter der Hinserie gewählt. Auch das Sportmagazin „kicker“ attestierte Höttecke „klasse Leistungen“. So weit, so gut.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Ich hoffe, dass ich meine Leistungen in der Rückrunde bestätigen kann“, sagt Höttecke. Die nächste Bewährungsprobe bietet sich am Samstag, wenn der BVB Rot-Weiß Essen empfängt. Dort ist Heiko Bonan Trainer, mit dem sich Höttecke seinerzeit in Ahlen überworfen und weshalb nach Dortmund gewechselt hatte. „Wenn Essen verliert, müssen sie sich einen neuen Trainer suchen“, feuert Höttecke eine Breitseite gegen seinen Ex-Coach ab, dem er es gehörig zeigen will. Ebenso wie den Machern bei der Borussia, die ihm signalisiert haben, ihn bis zur Saison 2009/2010 als Torhüter Nummer eins bei den Profis aufbauen zu wollen. Doch Marcel Höttecke zögert im Augenblick: „Es ist eine Sache des Respekts, wie man mit Vertragsgesprächen umgeht. Wenn Dortmund mich in zwei Jahren als Nummer eins sieht, mir dann aber einen Amateurvertrag über drei Jahre vorlegt, dann sehe ich nicht unbedingt eine Grundlage.“ Zumal „Hötti“ auch von anderen Klubs – national wie international – umworben wird. Im Winter buhlte besonders eifrig Zweitligist TuS Koblenz um seine Dienste. Der Trainer dort ist ein alter Bekannter – Uwe Rapolder. Doch Koblenz erhielt eine Absage. Ob es dem BVB genauso ergehen wird, steht noch nicht fest. „Die Perspektive bei der Borussia klingt gut, sie ist mein erster Ansprechpartner“, setzt Höttecke Prioritäten. Dennoch sondiert er im Augenblick den Markt. So wie es Jens Lehmann bei seinem Wechselpoker mit den Borussen getan und sich letztlich gegen einen Wechsel nach Dortmund entschieden hatte. Marcel Höttecke kann’s egal sein. Er vermisst den Nationalkeeper nicht – im Gegensatz zu Xavier Naidoo.

Startseite