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„Lieber verliebt“: Die Chefin und der Babysitter

Hans Gerhold

Als sie den Gatten auf dem Video vom Kindergeburtstag in flagranti erwischt, zieht Sandy (Catherine Zeta-Jones) mit den beiden Kindern ins Zentrum von New York. Wie die organisierte Vorstadtma, nun zurück auf dem Singlemarkt, zur verunsicherten Frau mutiert und in Aushilfsbabysitter Aram (Justin Bartha, „Hangover“) einen fünfzehn Jahre jüngeren Mann als Liebhaber und Lebensgefährten findet, wird in Bart Freundlichs romantischer Komödie „Lieber verliebt“ als sanftes Großstadtmärchen erzählt.

Das Schöne an „The Rebound“ (etwa: Die Zurückgeworfene) ist Catherine Zeta-Jones. Ihr sieht man gern zu, wie sie im Selbstverteidigungskursus, als Texterin im Büro des Sportsenders, bei dem sie Arbeit findet, oder bei einem widerwilligen Date mit einem sexhungrigen Chiropraktiker auf neuem Terrain agiert. Da ist sie ungewohnt mutlos - vor allem, als ihr bewusst wird, dass sie sich in Aram verliebt hat. Der wurde gerade von seiner französischen Frau verlassen, die nur auf die Green Card scharf war.

Das Ermutigende an diesem Film ist das Beharren auf dem Unterschied von älterer Frau zu jungem Mann, der von Sandy einmal als „unziemlich reif“ charakterisiert wird. Aram versteht sich bestens auf Kinder, und er liebt Sandy. Da das Happy End bei romantischen Komödien programmiert ist, legt der Film einen etwas umständlichen Umweg ein und findet im zwei Jahre später spielenden Finale zu dem, was er schon nach einer Viertelstunde propagiert.

Das Angenehme an „Lieber verliebt“ ist seine beinahe altmodische Erzählweise, die mit Ruhe und Gelassenheit statt mit Hektik operiert. Darin ähnelt er Woody Allens Komödien aus den 70er Jahren. Vielleicht ist deshalb auch Art Garfunkel (ja, der Sänger!) als Arams Vater zu sehen, der der Ziellosigkeit seines Sohnes wohlwollend gegenübersteht und ihm diese „Reifeprüfung“ gönnt, die Art einst besang. Sehr modern ist dagegen die direkte, deftige Sprache der Kinder mit permanenten Analausdrücken.

Das Märchenhafte an diesem Film - das trifft auf fast alle romantischen Komödien zu - ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit. Geld spielt, da beide Protagonisten aus der Oberschicht stammen, keine Rolle. Eine Luxusfrau wie Catherine Zeta-Jones, die sehr diskret und fast rehartig wie Audrey Hepburn spielt, damit zu belasten, käme einer Majestätsbeleidigung gleich. Ein Film zum sanft-skeptischen Wohlfühlen.

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