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"Immer Drama um Tamara"

Liebesreigen im Ländlichen

Hans Gerhold

Mit ihrer renovierten Nase, die den Riesenzinken ersetzt, wird die Londoner Kolumnistin Tamara Drewe (Gemma Arterton) im heimatlichen Ewedon in Dorset erst nicht erkannt und dann Mittelpunkt eines Liebesreigens, der in „Immer Drama um Tamara“ zur bukolischen Posse ausartet, in deren Verlauf Tamara die Provinz aufmischt und sich bis zum grimmigen Ende nimmt, was und wer ihr gefällt.

Regisseur Stephen Frears („Gefährliche Liebschaften“, „Die Queen“) hat aus dem 2005 im „Guardian“ erschienenen Comicstrip „Tamara Drewe“ (so auch der Originaltitel des Films), der zum Comic Book wurde, eine frivole Komödie gezimmert, die zeigt, dass der vielseitige Brite in der Heimat die besten Stoffe findet. Inspiriert wurde das Ganze von Thomas Hardys Roman „Far from the Madding Crowd - Am grünen Rand der Wellt“ (1874), der 1967 mit Julie Christie verfilmt wurde.

Hier will die scheinbar naiv daherkommende Tamara das zum Verkauf anstehende Haus der Eltern renovieren und löst ob ihres freizügigen Lebenswandels jede Menge Triebe und erotische Begierden aus. Im Lauf des Films greift sich die Augenweide in Hot Pants Rockstar Ben (Dominic Cooper), dann Krimiautor Nicholas (Roger Allen) und schließlich Gärtner Andy, ihre Jugendliebe (Luke Evans).

Beobachtet werden Tamaras Eskapaden von zwei in den Punkrocker verliebten Teenagern, die sich mit Kamera und Tagebuch an die Fersen der flotten Tamara heften. Natürlich sind sie eifersüchtig, stellen Tamara Fallen mit Eiern als Wurfgeschossen und legen eine Menge kleinkriminelle Energie daran, die lästige Rivalin loszuwerden.

Auf der zweiten Handlungsebene kreist der Film um ein Kränzchen selbstgefälliger erfolgloser Schriftsteller, die von Nicholas Gattin Beth (Tamsin Grey) versorgt werden. Das sieht aus, aus, als träfe sich der Jane-Austen-Buchclub mit den intellektuellen Losern aus Woody Allens Filmen, und ist in der Zeichnung des Verhältnisses von Autoren und Lesern, von Anspruch und Wirklichkeit schön bissig.

Die grüne Idylle des ländlichen England bildet einen schönen Kontrast zu Frears´ Zeichnung von Neid, Klatsch und Konflikten. Er inszeniert süffig, flüssig und im Dienst der Geschichte. Und hat mit Gemma Arterton eine natürlich spielende, schöne und sehr talentierte Hauptdarstellerin.

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