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Lob für „Deutschlands dümmste Bank“

Martin Ellerich

Münster. Vor der Lehman-Panne kannten nur 38 Prozent der Deutschen die Kfw-Bank, inzwischen seien es „Mitte 60 Prozent“, sagt Ulrich Schröder lächelnd – und schiebt gleich nach: „Ich weiß nicht ob, wir mit 320 Millionen € PR-Etat ausgekommen wären, um diesen Bekanntheitsgrad zu erreichen.“

Mit Charme und Chuzpe blickte der Chef der staatlichen Förderbank Donnerstagabend in der Universität Münster auf die positive Seite der 320-Millionen-€-Überweisung an die damals schon insolvente Lehman-Bank. Eine Panne, die der Kfw den Boulevardzeitungstitel „Deutschlands dümmste Bank“ einbrachte – und Schröder und anderen Kfw-Spitzenleuten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Natürlich sei die Überweisung ein „Riesenfehler“ gewesen, räumt Schröder ein. „Das darf bei einer Bank nicht vorkommen.“ Auch er sei „ziemlich von der Rolle“ gewesen, als das Thema zehn Tage nach seinem Amtsantritt bei der durchs IKB-Desaster geschüttelten Kfw hochkam. Seit dem Titel „Dümmste Bank“ werde der Kfw grundsätzlich die Kompetenz abgesprochen – selbst wenn es sich wie bei den späteren Millionenverlusten in Island nur um eine „Kreditfehlentscheidung, wie sie bei Banken nun ’mal vorkommt“ handelt.

„Wie dumm ist die Kfw wirklich?“ hieß Schröders Vortrag folglich. Wenn man ihm glaubt – keineswegs so dumm. So habe die Kfw 2007 als Mittelstandsbank 28 000 Existenzgründungen mitfinanziert. Sie unterstütze als Förderbank Investitionen in die Infrastruktur. Sei als Entwicklungsbank der größte Finanzierer von Micro-Krediten weltweit. Und die Bank sichere über ihre Tochter IPEX Exportgeschäfte. Das sei gerade jetzt in der Krise wichtig, in der nur schwer längerfristiges Kapital zu bekommen sei – wenn man nicht wie die Kfw vom Bund garantiert ist.

Ohnehin: die Finanzkrise und die Lehman-Brothers. Dass die US-Regierung die Investmentbank habe fallen lassen, sei „die größte volkswirtschaftliche Fehlentscheidung“ gewesen. „Das hat das Vertrauen zwischen den Banken tutto-completto zerstört.“ Eine Kombination von Konjunktur- und Bankenkrise wie derzeit habe es seit 1945 nicht gegeben. Ein „Scharlatan“ sei, wer derzeit sagen wolle, wie es weitergeht und welches Instrument sicher greife.

Und was wird aus der Kfw? Die nach der Bilanzsumme (350 Mrd. €) neuntgrößte deutsche Bank werde gerade „kräftig umgekrempelt“ – nicht nur beim Risikomanagement. „Wir überlegen, ob wir nicht stärker in die Kommunalfinanzierung einsteigen sollten.“ Und die Bank wolle sich „mehr vertriebsorientiert“ aufstellen – die Kunden sollten wissen, welche Kfw-Produkte sie über die Hausbank bekommen könnten. Dabei soll ein hoher Bekanntheitsgrad nicht schaden.

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