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Mädchen sexuell missbraucht

Sigmar Teuber

Ostbevern - Jahrelang hatten die Eltern dem Mann vertraut, den sie als Freund der Familie angesehen hatten. Im Oktober 2008 hielt ihre damals 13-jährige Tochter das Leid, in das sie dieser vermeintliche Freund gestürzt hatte, nicht mehr aus. Sie erzählte ihrem Vater, dass sie von dem heute 32-Jährigen über einen langen Zeitraum wiederholt sexuell missbraucht worden sei. Gestern musste sich der Ostbeverner vor dem Jugendschöffengericht Warendorf verantworten. Das Urteil: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Der Angeklagte vermied es, den Eltern, die als Nebenkläger neben der Staatsanwältin Platz genommen hatten, in die Augen zu sehen. Äußerlich unbeteiligt hörte er die Vorwürfe der Anklage an:

2005 sei er mit seinem damals zehnjährigen Opfer im Schwimmbad gewesen, habe beim Binden des Bikini-Oberteils dessen Brüste gestreichelt. Später - nach dem gemeinsamen Duschen daheim -, sei es zu weiteren sexuellen Handlungen gekommen.

2007 habe der Ostbeverner das Kind in ein Waldstück gebracht, wo es sich einen BH aus Zuckerperlen habe anziehen müssen.

2008 habe er das Mädchen in seinem Auto mitgenommen und es gefragt, ob er es „für Geld anfassen und streicheln“ dürfte. Das Kind lehnte ab. „Zum Äußersten“, so das Gericht, sei es nie gekommen.

Nachdem ihn die Staatsanwältin eindringlich darauf hingewiesen hatte, dass sich ein rückhaltloses Geständnis positiv auf das Strafmaß auswirken könne, räumte der Angeklagte nach kurzer Rücksprache mit seinem Pflichtverteidiger alle ihm zur Last gelegten Handlungen ein. Wie sein Rechtsbeistand versicherte, habe sich der Mann vor Kurzem in psychologische Behandlung begeben.

Bei der Strafbemessung folgte das Gericht dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft. Eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung, hielt der Richter für angemessen. Zusätzlich muss der Mann ein Schmerzensgeld in Höhe von 2000 Euro an das Mädchen zahlen.

Zugute komme dem Angeklagten, dass dieser die Taten gestanden und dass es bei der Begehung für ihn Grenzen gegeben habe. „Wenn das Kind Nein gesagt hat, hat er die Grenzen der körperlichen Gewalt nicht überschritten“. Zum Äußersten sei es nicht gekommen.

„Kein Urteil kann das Geschehene ungeschehen machen“, erklärte der Richter. Doch sehe er keine Gefahr, dass der Mann, auf dessen PC Kinderpornos gefunden worden waren, rückfällig werden könne. Dass dieser nicht in der Lage sei, den Eltern ins Gesicht zu sehen, und dessen Bereitschaft zu einer Therapie zeige, dass er die Taten bereue.

Wie der Vater des Mädchens berichtete, habe die Tochter lange geschwiegen, „weil sie massiv bedroht wurde“. Seit ihrer Offenbarung 2008 gehe es bergab mit dem Kind. „Sie schläft kaum, kann nicht zur Schule gehen und braucht die Hilfe eines Psychologen.“

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