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Mandeln und ein Geheimnis

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In vielen Familien gibt es zu Weihnachten eine besondere Süßigkeit. Sie hat oft einen Mantel aus Schokolade, ist innen gelblich-weiß, weich und duftet nach Mandeln. Na, was ist das? Marzipan. Ein berühmtes Marzipan kommt aus Lübeck in Norddeutschland. Und zwar von der Firma Niederegger. Dort wird es schon seit mehr als 200 Jahren - seit 1806 - hergestellt.

Das Rezept soll immer noch fast dasselbe sein wie damals. Ins Niederegger-Marzipan kommen Mandeln aus Spanien - oder zumindest aus der Mittelmeerregion -, Zucker und ein „süßes Geheimnis“. So nennen die Macher etwas Besonderes: Das Rezept dafür ist so geheim, dass es im Tresor der Firma aufbewahrt wird, erzählen die Leute von der Firma.

Ein ziemlich wichtiger Mann in der Marzipanfabrik ist Jörn Seidel. Er bewacht das Lager für Mandeln. Denn die sind die Hauptzutat des Marzipans. Jetzt nimmt er gerade einen der braunen Säcke, schneidet ihn auf und kippt die Mandeln auf ein Sieb. Das rüttelt hin und her. Dadurch fallen kleine Steine, die sich zwischen die Mandeln gemogelt hatten, heraus.

Von nun an geht fast alles automatisch. Die Mandeln werden mit heißem Wasserdampf gebrüht. So lange, bis sich die braune, runzlige Schale löst. Heraus kommt der leicht gelbliche Mandelkern.

Anschließend werden die Kerne mit Zucker vermischt, zermahlen und in großen Kupferkesseln über einer offenen Flamme geröstet. Dadurch schmelzen die Zuckerkristalle. Das ist wichtig, damit es später nicht zwischen den Zähnen knirscht, wenn man in ein Stück Marzipan beißt.

Wenn die Masse abgekühlt ist, kommt sie in einen besonderen Raum. Dort darf meist außer dem Chef-Konditor und seinen Helfern niemand hinein. In dem Raum wird das „süße Geheimnis“ hinzugefügt. Früher war das Rosenwasser. Heute ist es eine Flüssigkeit, die fast wie Rosenwasser schmeckt.

Nun ist die Marzipanrohmasse fertig und wird zu verschiedenen Figuren geformt: zu Herzen, Tannenzapfen, großen und kleinen Broten.

Dann kommt der Schoko-Guss. Auf langen Fließbändern ziehen die frisch mit Schokolade überzogenen Figuren vorüber. Weil es hier so verlockend duftet, dürfen die Arbeiterinnen so viel Marzipan naschen, wie sie wollen.

Aber keine Angst, es bleibt noch genügend für den Verkauf übrig. Die Süßigkeit wird in rotes, schwarzes, grünes oder goldenes Papier verpackt. Und sie landet zu Weihnachten vielleicht auf deinem bunten Teller.

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