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Männerdomäne bröckelt: Zahl der Frauen in Führungsetagen steigt langsam

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Berlin/Münster - Wenn Vorstand und Aufsichtsrat tagen, sind die Herren in den dunklen Anzügen fast unter sich. Noch immer kommen Frauen auf Chefposten der großen deutschen Unternehmen nur äußerst selten zum Zuge. Nach jahrelangen Appellen zeigt sich inzwischen aber zumindest Bewegung in der Männerdomäne: Die Telekom verordnete sich demonstrativ eine Frauenquote, mehrere Konzerne im Deutschen Aktien-Index (Dax) engagierten weibliche Vorstandsmitglieder. Und auch die Regierung erhöht langsam den Druck - die Drohung mit einer gesetzlichen Quote hält sie dafür aber noch etwas zurück.

Doch nicht nur bei den deutschen Mammut-Konzernen auch in den mittelständischen Betrieben des Münsterlands sind die Frauen auf dem Vormarsch. „In allen Branchen wächst der Frauenanteil in den Führungsetagen“, erklärte Karl-Friedrich Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen im Gespräch mit unserer Zeitung. 1200 weibliche Führungskräfte zählt die IHK inzwischen in ihrem Kammerbezirk (Münsterland und Emscher-Lippe-Region) - „mit steigender Tendenz“, so Schulte-Uebbing.

In der Region wächst der Frauenanteil sowohl bei den Unternehmenseignern als auch bei den angestellten Führungskräften. Auch die familiengeführten Unternehmen der Region würden bei einem anstehenden Generationswechsel immer häufiger an die Töchter übergeben, weiß Schulte-Uebbing.

Selbst in der Vollversammlung der IHK sei der Frauenanteil inzwischen auf 16 Prozent gestiegen, betonte der Hauptgeschäftsführer. Und: „Wir haben auch zwei Vizepräsidentinnen“, sagte Schulte-Uebbing.

Bundesweit sind weibliche Topmanagerinnen dennoch rar. In den Vorständen der 100 umsatzstärksten Unternehmen sackte der Frauenanteil im vergangenen Jahr sogar unter ein Prozent, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. In den Aufsichtsräten waren es demnach immerhin zehn Prozent. Frauen sitzen aber überwiegend für die Arbeitnehmerseite im Kontrollgremium.

Dass Frauen für Spitzenjobs bestens qualifiziert sind, beteuert die Wirtschaft seit Langem. Absolventinnen machen oft bessere Examen und bringen weibliche Kompetenzen ein. Die bisherigen Bemühungen der Unternehmen um Führungsfrauen hätten aber beschämenderweise nicht gereicht, gestand Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, als er im März eine Quote vorstellte. Bis 2015 will der Konzern weltweit 30 Prozent der oberen und mittleren Leitungspositionen mit Frauen besetzen - derzeit sind es in Deutschland zwölf Prozent.

Starre gesetzliche Quoten will die Wirtschaft aber vermeiden. Und vorerst soll die Selbstregulierung auch eine Chance bekommen. Die Expertenkommission der Bundesregierung für gute Unternehmensführung („Corporate Governance“) hat dafür neue Empfehlungen in ihren Kodex für börsennotierte Firmen aufgenommen. Aufsichtsräte sollen demnach konkrete Ziele für die angemessene Berücksichtigung von Frauen nennen und über die Umsetzung öffentlich berichten. Dies solle bewirken, dass Frauenförderung „nicht bloßes Lippenbekenntnis bleibt“, sagte der Kommissionsvorsitzende, Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller, gestern in Berlin.

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