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Filmrezensionen

„Maos letzter Tänzer“: Gedrillt und ausgeliehen

Gian-Philip Andreas

Als Kind wurde er seiner Familie entrissen und auf der Akademie in Peking mit militärischem Drill zum Balletttänzer ausgebildet. Dann durfte er als Austauschstudent zum Klassenfeind, ans Ballett in Houston, Texas. Dort erlebt er einen Kulturschock, will aber bleiben (Freundin, beruflicher Erfolg) - und soll trotzdem wieder nach China zurück. Am Ende wird er gar gekidnappt.

Lu Cuxin, so heißt der Wunderknabe, hat darüber eine erfolgreiche Autobiografie geschrieben, die Regieroutinier Bruce Beresford („The Contract“) nun, mit kritikmildernder finanzieller Beteiligung Chinas, artig verfilmt hat: Ganz unterhaltsam ist das geworden, aber sehr brav.

Cuxin wird sympathisch und reichlich hölzern gespielt vom gleichfalls erfolgreichen Tänzer Chi Cao, und was er da erlebt zwischen amerikanischer Libertinage, erster Freundin, erster Ehefrau und den Fittichen des schwulen Choreografen Ben (Bruce Greenwood, „Dinner für Spinner“), wirkt artig erbaulich bis fies klischeehaft.

Am besten funktioniert noch die lange Rückblende in Cuxins Akademiezeit im China der Siebziger. Aber auch da gibt es böse Schinder und gute, deshalb ins Umerziehungslager geschickte Kunstfreunde. Zum Schluss, bei Cuxins kurzfristiger Rückkehr, flattert trotzdem die Fahne der KP: eine Heldenbiografie mehr.

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