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Maradona und der Balljunge

Michael Schulte

Morgen werden sie sich wieder sehen. Ob sie wollen oder nicht. Thomas Müller und Diego Maradona. Das erste Treffen des deutschen Spielers und des argentinischen Trainers im März diesen Jahres war bemerkenswert. Der 20-Jährige aus München hatte im Testspiel gegen die „Gauchos“, das 0:1 verloren ging, sein erstes Länderspiel gemacht. Deshalb durfte er später auf die Pressekonferenz und nahm auf dem Podium Platz.

Zeitgleich erschien Maradona und wollte seine Eindrücke des Spiels wiedergeben. Als er Müller sah, verließ er wutentbrannt die Bühne und schimpfte laut auf Spanisch vor sich hin. Am Ausgang blieb er dann stehen und schaute zurück. Längst war DFB-Sportdirektor Harald Stenger bei ihm und versuchte, ihn zu beruhigen.

Offensichtlich war alles nur ein Irrtum, da Maradona den Spieler Müller als einen Balljungen angesehen hatte, neben den er sich nicht setzen wollte. Müller musste gehen, Maradona kehrte zurück. „Für mich war das damals auf der Pressekonferenz kein Problem“, sagt Müller heute. Zumal er später auch noch seine Ansichten kundtun durfte.

Seit März hat sich einiges verändert. Der Fußballer Müller wurde Deutscher Meister und Pokalsieger mit Bayern München, stand im Finale der Champions League, sprang auf den WM-Zug auf und ist Stammspieler in der deutschen Nationalmannschaft.

Sehr wahrscheinlich, dass ein Müller längst auf Maradonas Zettel steht, auf den es im Viertelfinale am Samstag auch zu achten gilt. Müller steht im Fokus, in dem sich Maradona seit vielen Jahren wohlfühlt.

„Den Fußballer Maradona habe ich nie so erlebt, aus zeitlichen Gründen“, lacht Müller verschmitzt. „Ich habe ihn nur im Abschiedsspiel für Lothar Matthäus gesehen. Damals hatte er zwar Übergewicht, zeigte aber unglaubliche Dinge am Ball.“ Ein wenig schwärmt er schon vom heutigen Coach der Argentinier, der für viele ein Genie am Ball, ein Idol auf dem Platz und ein Phänomen war.

Thomas Müller möchte es morgen allen zeigen. Er will unbedingt mithelfen, damit das Spiel gegen Argentinien gewonnen wird. Am allerliebsten möchte er hinterher auf der Pressekonferenz sitzen. Neben Maradona - ob der das will oder nicht.

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