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Filmrezensionen

„Mary & Max“: Menschentragik in Knet-Optik

Gian-Philip Andreas

Wer mit Knet-Animation nur Kindereien verbindet, nehme seine Sprösslinge besser nicht mit in „Mary & Max“: Der Australier Adam Elliot, mit Preisen überhäuft für diverse Kurzfilme in Stop-Motion-Technik, erzählt nämlich auch in seinem ersten Langfilm mit allerschwärzestem Humor und schonungsloser Lakonie aus dem Alltag seiner ramponierten Plastilinfiguren.

Diesmal lässt er ein hässliches australisches Vorstadtmädchen und einen hässlichen New Yorker Neurotiker aneinandergeraten - als Brieffreunde. Mary ist acht, hat „Augen wie dreckige Pfützen“, keine Freunde und ein desolates familiäres Umfeld: Die Mutter säuft und klaut Sherry, der Vater stopft tote Tiere aus, und Opa erklärt ihr, woher die Kinder kommen: aus Biergläsern.

Um eine zweite Meinung einzuholen, sucht sie sich einen Brieffreund aus dem New Yorker Telefonbuch: Max, einen adipösen Mietskasernen-Eremiten mit Asperger, imaginärem Freund, Fußnagelsammelzwang und einer hemmungslosen Vorliebe für Schokoriegel-Hotdogs.

Was nicht zusammenpasst, bleibt dann doch, Krisen zum Trotz, über Jahrzehnte im Schriftverkehr. So wie ja auch Knet-Optik und Menschentragik eigentlich nicht zusammenpassen, es hier aber doch aufs Tollste tun.

Elliot erzählt, zwischen Neurosen, Psychosen, Demütigungen und grausamen Zufällen, ganz menschenfreundlich-froh und überraschend witzig von der heilsamen Kraft der Freundschaft, die als einzige noch hilft, wenn alles andere verloren scheint. Herausragend.

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