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Mehr Übergriffe auf Polizisten - Präsidium erwartet Höchstzahlen für 2009

Dirk Anger

Münster - Die Polizei schlägt Alarm: Die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte und andere Amtsträger ist in den vergangenen Jahren dramatisch angestiegen. Für das laufende Jahr erwartet die Polizei mehr als 200 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt. 2008 waren es noch 170, im Jahr davor 132 Übergriffe.

„Diese Zahlen sind beängstigend“, klagt Hartmut Rulle, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Münster. Die Anerkennung von natürlichen Autoritäten nehme erkennbar ab. „Das wird häufig von den Eltern nicht mehr an die Kinder vermittelt.“

Diesen Trend sieht auch Münsters stellvertretender Polizeichef Hans Volkmann. Er setzt darauf, dass langfristig eine geänderte Polizei-Strategie Wirkung zeigen könne. So seien die Polizeikräfte an den Wochenenden und in der Nacht vor Feiertagen verstärkt worden.

„Bei einer Schlägerei fahren wir gleich mit zwei, drei, vier Streifenwagen raus.“ Damit wolle man deutlich machen, dass die Polizei bei Aggressionsdelikten anders aufgestellt sei. „Aber wir brauchen einen langen Atem“, so der Polizei-Vize.

In der Gesellschaft hat Volkmann „eine Erosion der Akzeptanz festgestellt, was Amtsträger angeht“. „Aber dieses Problem kann die Polizei nicht alleine lösen.“ Die Gesellschaft müsse sich entscheiden: „Akzeptieren wir Übergriffe auf Polizeivollzugsbeamte?“

Die Polizei-Hochrechnung für 2009 fällt in eine Zeit, in der in Münster wegen steigender Gewalt auf den Straßen über die Ausweisung von Alkoholverbotszonen diskutiert wird. Nach Beobachtung von GdP-Mann Rulle spielt Alkohol bei Übergriffen auf Polizeibeamte oftmals eine Rolle. „Die Bürgerlichen treten dann ganz enthemmt auf.“

Aus Sicht der Gewerkschaft verschärfen Personalknappheit und die Unplanbarkeit von solchen Übergriffen die Situation: „Wir kriegen dann nicht schnell genug genügend Polizei auf die Straße“, sagt Hartmut Rulle.

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