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Kirchenjubiläum St. Anna

„Mein Rechner ist mein spiritueller Begleiter“

wn

Neuenkirchen. Er nennt sich selber nicht Prediger, sondern Theologe und spiritueller Begleiter, der Bücher zur Spiritualität im Alltag schreibt. Aber das Predigen ist genauso seine Profession: Der Schweizer Pierre Stutz sprach am Donnerstagabend in St. Josef zum Thema „Mystik als Lebensstil“.

„Nie hätte ich gedacht, dass auch mein Computer ein spiritueller Begleiter sein kann“, sagt Stutz. „Wenn ich ihn einschalte, dann holt er sich in aller Ruhe seine Boot-Programme. Bevor ich etwas von ihm erhalte, sammelt er sich - lateinisch: er meditiert. Wenn ich schnell etwas von ihm will, dann macht er extra langsam. Er zeigt mir damit etwas ganz Wesentliches: Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Ich bekomme nichts von ihm, bevor er alle seine Ressourcen gesammelt hat. Das ist Mystik in Urform“.

Ein Mystiker fragt nicht „was muss ich als nächstes tun?“, sondern „woher nehme ich die Kraft, das zu tun. Bin ich dazu bereit?“ Wie Carl Valentin sagte: „Heut´ Abend gehe ich mich mal besuchen. Mal sehen, ob ich zu Hause bin.“ Soll heißen: ob ich ganz bei mir und mit mir im Reinen bin.

Auf die mystische Lebensgestaltung sei er gekommen, als im Alter von 38 Jahren alles, was er sich in seinem Leben aufgebaut hatte, in wenigen Tagen zusammengefallen sei. „Burnout, Batterien leer. In den dunkelsten Stunden des Lebens, in dem ich nicht nur physisch und psychisch, sondern, und das war für mich das schmerzlichste, auch spirituell am Ende war, da bin ich mystischen Texten begegnet. Sie kennen das? Man schlägt ein Buch auf, liest ein paar Worte und denkt sich: Das gibt´s doch gar nicht! Nur für mich geschrieben“. Er widmete sich seitdem ganz der Mystik als Lebensstil, legte sein Priesteramt nieder. Über 40 Bücher hat er geschrieben mit fast einer Million verkauften Exemplaren.

Für Pierre Stutz ist Mystik ganz und gar nichts mystisches, Geheimnisumwobenes, Unerklärliches, wie es im Sprachgebrauch oft verwendet wird. „Es ist für mich nichts Weltfremdes, Exotisches, sondern die Einladung, mitten im Leben zu stehen.“

Und Pierre Stutz zitiert die Theologin Dorothee Sölle: „Wir sind alle Mystiker, wenn wir nicht auf große Wunder warten, sondern uns jeden Tag auf das Geschenk des Lebens einlassen. Ein mystischer Mensch ist grenzenlos glücklich - und immer in Schwierigkeiten“. Das befreit uns von allem Anspruch nach Vollkommenheit, das ist mit „Leben in Fülle“ gemeint.

Es war ein viel mehr philosophischer als ein religiöser Vortrag, der in jedem Satz die volle Aufmerksamkeit forderte. Und so ist auch sein neuestes Buch „geborgen und frei - Mystik als Lebensstil“ gespickt mit Lebensweisheiten, kein Roman, den man verschlingen kann. Natürlich signierte Pierre Stutz am Ende seiner Ausführungen seine Bücher.

Einen festlichen und spirituellen Rahmen gab das Vokalensemble Snedwinkela unter der Leitung von Stefan Eicholt.

Gemäß der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ bezeichnet der Ausdruck Mystik (von griechisch mystikós, „geheimnisvoll“) im allgemeinen Sprachgebrauch Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer höchsten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung.

www.pierrestutz.ch

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