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Filmrezensionen

„Mein Vater, mein Onkel“: Familiäres

Hans Gerhold

Als er endlich auf Brief und E-Mail seines leiblichen Vaters reagiert, beginnt für den deutschen, aus dem Irak stammenden Schauspieler Sinan in Christoph Hellers Dokumentarfilm „Mein Vater. Mein Onkel“, eine Reise nach Dubai, die ihn zu seinen familiären Wurzeln führt.

Denn Sinan, in Hessen von der deutschen Adoptivmutter aufgezogen, wird mit einer Kultur konfrontiert, die gänzlich andere Lebens- und Wertvorstellungen als die liberale Gesellschaft des Westens vertritt.

Er versteht sich prächtig mit den älteren Brüdern und stellt durchaus eine tiefere Beziehung zu seinem Vater her, aber als er am Ende des Films wieder nach Berlin fliegt, bleibt offen, ob er tatsächlich „sehr, sehr bald“ in die Arme der Familie zurückkehren wird, die schon Berufs-, Glaubens- und Heiratspläne für den Schauspieler (unter Muslimen ein wenig angesehener Beruf) entwickelt hat.

Über die interessante Beobachtung der Gespräche im Familienkreis hinaus kreist der Film um den Selbstfindungsprozess Sinans, der viel von chaotischer Teeniezeit erzählt und bei Picknick, Brettspiel, Einkaufen und Putzen Erkenntnisse gewinnt.

Bilder aus Dubai, das sich innerhalb kürzester Zeit rasant verändert (fast wie Shanghai), ergänzen die spannende Familiengeschichte. Ein Angebot zum Nachdenken.

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