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Meisterschaft im Gasballonfahren - Dem Himmel ganz nah

Beate Vieler

Tecklenburger Land - Es ruckelt, es wackelt. Ein kurzer Moment nur, und Delta-Oskar-India-Bravo-Bravo (D-OIBB) ist in der Luft. Mit jedem Atemzug wird das rege Treiben am Boden kleiner. Die Geräusche verhallen. Ab jetzt gibt es nichts mehr - außer Stille und der Tiefe des himmlischen Blaus.

Der Gasballon von Axel Hunnekuhl ist am Samstagmorgen um 5.08 Uhr der erste, der sich in Sekundenschnelle vom Boden erhebt. Noch vor einer Stunde lag die gummierte Baumwollhülle im nassen Gras des Tüöttensportplatzes in Mettingen. Jetzt schwebt die 840 Kubikmeter umfassende Kugel mit dem kleinen Korb im Schlepptau der aufgehenden Sonne entgegen.

„Dann wollen wir mal“, sagt der Ballonfahrer, während er eine Schaufel Sand auf die kleiner werdende Spielzeugwelt wirft. Ein kurzer Blick auf das GPS: Kurs Ostsüdost, 126 Grad auf der Kompassrose. „Das passt“, meint der 37-Jährige. Auch wenn er sonst dahin fährt, wohin der Wind ihn treibt, heute, bei der Wettfahrt der Deutschen Meisterschaften im Gasballonfahren, hat er das Ziel im Visier. „Die Steuermöglichkeiten beim Gasballon sind begrenzt, aber durch unterschiedliche Windrichtungen in verschiedenen Höhen kann man die Richtung beeinflussen“, erklärt der Vorsitzende des Ballonclubs Teuto. Ein Blick aus dem Korb verrät, dass nun auch die anderen Ballons starten. Einer nach dem anderen setzen sie sich als Punkte vor dem blauen Himmel ab. Delta-Oskar-India-Bravo-Bravo gleitet ganz ruhig durch die Luft. In den Tälern wabern die letzten Reste Morgennebels. Es scheint, als seien es Zentimeter, die der Ballon zurücklegt. „Das täuscht, der Wind hat 14 Knoten, das heißt, wir fahren auf einer Höhe von 2000 Fuß über Meeresspiegel mit circa 27 Stundenkilometern“, so Hunnekuhl. Es ist eine besondere Fahrt für ihn. Zum 500. Mal hat er heute „Einmal Himmel und Zurück“ gebucht. „Ballonfahren ist Balsam für die Seele, für mich ein Gefühl von Freiheit.“ Bereits mit sieben Jahren war er erstmals in den mit Sandsäcken behangenen Korb gekrabbelt. „Mein Vater war Ballonfahrer, so bin ich an das Hobby gekommen“, sagt der Berufsschullehrer, der damals auf den Namen „Axel, der Luftkönig von Cloppenburg“ getauft worden war.

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