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Politik Ausland

Merkel redet in Belgrad Tacheles: Europa als Fata Morgana

wn

Was das Zypern-Problem für die Türkei bedeutet, ist der Kosovo-Konflikt für Serbien: eine gewaltige Hürde für den Beitritt in die Europäische Union. Ohne eine Lösung der territorialen und politischen Fragen bleibt das Tor in die EU geschlossen - für Ankara wie für Belgrad.

Nichts anderes hat die Bundeskanzlerin dem serbischen Präsidenten Tadic erklärt - glasklar und ohne Umschweife. Merkel hat Tacheles geredet. In Belgrad fiel ihr das bestimmt nicht schwer. Weil der EU-Beitritt Serbiens angesichts der Euro-Schulden-Krise zurzeit wohl noch eine der geringsten Sorgen der CDU-Vorsitzenden ist.

Gewiss, Belgrad hat mit der Auslieferung serbischer Kriegsverbrecher, wie Ratko Mladic und zuletzt Goran Hadzic, an den Haager Strafgerichtshof eine notwendige Bedingung für den Weg in die EU geschaffen. Aber hinreichend ist dies nicht.

Serbien will das Kosovo nicht anerkennen. Solange aber ein ernsthafter Konflikt zwischen den Regierungen in Belgrad und Pristina tobt, bleibt eine konkrete Beitrittsperspektive reines Wunschdenken. Schon gar nicht akzeptabel ist aus Brüsseler Sicht, dass sich Belgrad im Fall Kosovo nicht bevormunden lassen will und das „Problem“ auf seine Weise zu lösen gedenkt.

Grenzkonflikte, mit Waffengewalt ausgetragen, sind das Letzte, was sich ein gemeinsames Haus Europa jetzt noch aufbürden sollte. Und serbische Träumereien, das Nord-Kosovo mit seiner mehrheitlich serbischen Bevölkerung ließe sich wieder dem Mutterland zuschlagen, sind Gift für den Einigungsprozess. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, was bei einem EU-Gipfel in Brüssel geschehen würde, wenn zwei unversöhnliche neue Mitglieder, Serbien und das Kosovo, mit am gemeinsamen Tisch säßen ...

Die Befriedung des Balkans bleibt eine große Herausforderung für Europa. Dieser Aufgabe muss sich Brüssel stellen. Aber sie ist nicht dadurch lösbar, dass man die Streithähne rasch unter das gemeinsame Dach holt. Die EU bleibt vorerst eine Fata Morgana - für Serbien und auch andere Kandidaten.

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