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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Messerstecher muss für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis

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Münster/Ibbenbüren. Das letzte Wort vor der Urteilsbegründung ergriff der Angeklagte nicht. Vielmehr schloss er sich den Worten seines Verteidigers an, der am Ende der Beweisaufnahme in der Tathandlung des Ibbenbüreners eine gefährliche Körperverletzung gesehen hatte. Nach der Rechtsauffassung setze Totschlag einen Vorsatz voraus. Diese Grenze habe der 25-Jährige nicht überschritten, so der Anwalt.

Die Tat, deretwegen sich der 25-Jährige jetzt vor Gericht verantworten musste, ereignete sich im vergangenen Jahr am Rande der Ibbenbürener Kirmes. Nach einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen hatte das Opfer, das der 25-Jährige niederstach, helfend eingreifen wollen. Wie berichtet, lautete die Anklage auf versuchten Totschlag. In ihrem Urteil konnten die Richter diesen Tatvorwurf nicht aufrecht halten. Die Schwurgerichtskammer verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Wegen Fluchtgefahr hielt das Gericht an der Fortdauer der Untersuchungshaft fest. Obwohl der Ibbenbürener ein Springmesser in den Bauch des Familienvaters gerammt hatte, konnten die Richter in ihrer Urteilsfindung eine bedingte Tötungsabsicht nicht feststellen. Der Angeklagte habe trotz der spontanen Tat die Gefährlichkeit erkannt, ein Motiv, sein Opfer töten zu wollen, sahen die Richter aber nicht.

Der angeklagte Ibbenbürener hatte trotz eines Teilgeständnisses den verhängnisvollen Stich in den Bauch seines Gegners bis zuletzt bestritten. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen bestand für die Richter aber am Ende der Beweiskette kein Zweifel, dass der Angeklagte bei der Auseinandersetzung als einziger sein Messer gezogen und gegen seinen Kontrahenten eingesetzt hatte. „Das einzig erfreuliche an der Sache ist, dass der Familienvater aus Ibbenbüren noch einmal dem Tod von der Schippe gesprungen ist“, so der Vorsitzende an die Adresse des Täters gewandt.

Das durch Darmperforationen schwer verletzte Opfer hatte nur durch Glück überlebt. Um fünf Millimeter verpasste die Klinge die Bauchaorta – fünf Millimeter entschieden über Leben und Tod des Opfers. Der wegen Körperverletzung einschlägig Vorbestrafte nahm das Urteil mit versteinertem Gesicht entgegen. Zuvor hatten seine Blicke immer wieder seine anwesenden Verlobte und seinen Zwillingsbruder gesucht, als der Staatsanwalt ein Signal gesetzt sehen wollte und sieben Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beantragt hatte. In seinem Plädoyer zeigte der Ankläger sich überzeugt, dass der Ibbenbürener den Tod des Nebenklägers billigend in Kauf genommen hatte. Er sei nicht freiwillig von der Tat zurückgetreten. Dem Angeklagten sei trotz mäßigen Alkoholgenusses bewusst gewesen, was er getan hatte. So warf der Staatsanwalt dem Ibbenbürener vor, Erinnerungslücken immer dann „vorgeschoben“ zu haben, wenn es um den verhängnisvollen Messerstich gegangen sei. „Es muss ein Signal gesetzt werden“, egal ob am Ende versuchter Totschlag oder gefährliche Körperverletzung stehe, so der Ankläger.

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