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Lenz Musik

Mias Mode-Look: Berliner Klamotten

wn

<1>Trägst du während eines Konzerts eigene Klamotten oder sind das alles Kreationen eigens für die Bühne?

Mieze: Die meisten Sachen werden für die Bühne extra hergestellt. So eine Klamotte muss road-tauglich sein. Ich muss mich darin extrem gut bewegen können, weil wir haben alle nix davon, wenn es gut aussieht, ich mich aber nur in Trip-Trap-Schritten bewegen kann. Da arbeite ich ja gerade für „Willkommen im Club“ mit Ricardo Steffen zusammen. Der hat den roten Plastikmantel genauso entworfen wie das orangene Kleid oder meinen silbernen Anzug oder die Sachen der Jungs. Und ja, ich habe auch Basics, die in meinem Kleiderschrank zu finden sind. Aber ganz ehrlich: Wenn ich die drei oder vier Mal die Woche auf der Bühne sowieso schon anziehe, dann fällt mir nicht ein, dass ich die den Rest der Woche auch noch anziehen soll.

Wie ist zum Beispiel die Geschichte des roten Mantels?

Mieze: Ich hab über Monate ganz viele Sachen aus Zeitschriften rausgerissen, die mich angesprochen haben. Die meisten Sachen, die ich toll finde und die ich auf der Bühne tragen möchte, gibt es halt nicht. Hier finde ich das Material gut, hier finde ich die Farbe gut, hier finde ich die Idee vom Schnitt gut. Und dann habe ich immer noch einen Stift da und versuche, es aufzuzeichnen. Ricardo hat alle diese Informationen aufgesogen. Ich wollte halt die ganze Zeit einen durchsichtigen Mantel. Mir gefällt dieses reflektierende Plastik und auch, was auf der Bühne mit dem Licht passiert. Und dann kam Ricardo, hat mich angerufen und gesagt: Ich hab jetzt hier ein bisschen Plastikkram. Komm mal vorbei und schau es dir an.

<2>Wusstest du bei dem roten Mantel schon, für welche Songs du ihn anziehen würdest?

Mieze: Ja, auf jeden Fall wusste ich, dass der rote Mantel und „Freund“ zusammengehören. Also, die Musik ist Platz eins bei uns. Das treibt die meisten Designer in die Verzweiflung, weil ich dann gerne zwei Wochen vor Showbeginn komme und sage: „Ach ja, wir brauchen . . . und wir sind fünf . . . und ich hätte gerne . . .“ Und trotzdem: Musik spielt die oberste Rolle, ist die Inspiration für alles: für die Bühne, das Plattencover, jedes Poster, für jede Klamotte. Zuerst war die Musik, das Lebensgefühl, der Zeitgeist. Und der Rest ist dazu da, dieses Lebensgefühl zu bebildern. Auch eine Klamotte trägt dazu bei, ein Lebensgefühl nach außen zu tragen. Und ich bewerte das ehrlich gesagt nicht gern über, weil wir in einer Zeit leben, in der die Oberflächlichkeit viel zu sehr gespielt wird.

Welche Rolle spielt Berlin für euren Look?

Mieze: Wir atmen Berlin, das ist unser Zuhause, da sind unsere Freunde, da steht unser Bett. Wir saugen das auf, ob wir wollen oder nicht. Und das führt dazu, das wir gerade im Ausland Berlin sind für die Menschen. Nicht nur für Berliner im Ausland ein kleines Stückchen Heimat, das ich mal auf CD mitnehme, sondern auch für Leute, die sagen: So stellen sie sich Berlin vor. Berlin ist ein Kreativpool. Hier gibt’s viele Menschen mit Ideen und wenig Geld und es herrscht tatsächlich Networking: Man unterstützt sich gegenseitig. Da ist Berlin für mich Dorf und da lieb ich’s.

Wo findest du klamottentechnisch das Schönste in Berlin?

Mieze: Ich empfehle die Oderberger Straße: Wenn man von der Kastanienallee in die Oderberger Straße reingeht, dann bitte rechts bleiben. Ansonsten empfehle ich einen Laden in den Hackeschen Höfen, der heißt „Berliner Klamotten“. Dort findet man über 180 Berliner Designer in einem Laden.

<í>Gehst du häufig shoppen?

Mieze: Überhaupt nicht, ne.

Keine Lust, keine Zeit?

Mieze: Ich find darin keine Erfüllung. Ich muss andere Sachen machen. Shoppen, das ist etwas sehr Oberflächliches und ich brauche, um ich selbst zu sein, am Ende nicht mehr als Hose und T-Shirt, Hut und Schuhe und eine Jacke. Natürlich sind Klamotten für mich Kommunikation. Und trotz alledem: Wenn du nach New York gehst oder nach Tokio: Jeans und T-Shirt – das ist die internationale Modesprache. Man muss auch echt drauf achten, was man kauft: Man sagt immer: „Du kannst die Welt verändern“. Du kannst die Welt verändern, in dem du aufpasst, was du einkaufst. Du kannst dein Geld ganz gezielt da lassen, wo du es lassen möchtest und auch ganz gezielt da entziehen, wo du es nicht siehst.

Du meinst Fair-Trade-Klamotten?

Mieze: Absolut. Es ist gut, zu wissen: Woher kommen meine Klamotten? Auch bei den Berliner Designern, da weiß ich schon, wo die arbeiten oder arbeiten lassen. Mich interessiert mittlerweile immer noch mehr das Dahinter.

Es gibt auch viele Bands, die klimaneutral touren. Habt ihr damit auch etwas am Hut?

Mieze: Ja und nein. Zum Teil entzieht sich so etwas unserer Entscheidung oder unseren Finanzen. Am geilsten wäre natürlich ein Bus, der mit Strom fährt. Was ich bislang ganz toll finde, dass gerade immer mehr Veranstaltungen mit Ökostrom laufen.

Ihr habt jetzt schon ein Stück eurer Tour hinter euch. Welchen besonderen Augenblick möchtet ihr in Münster gern noch einmal erleben?

Mieze: Mein persönliches Highlight war Basel. Das Publikum dort war so selbstorganisiert. Alle hatten Lust aufeinander, wir haben nicht eine Minute miteinander gefremdelt.

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