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Ahlener SG

Milk macht müde Männer munter

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Ahlen/Hamm - Lena Milk, Physiotherapeutin beim Handball-Bundesligisten HSG Ahlen-Hamm, ist die einzige Frau in der rauen Männerwelt des westfälischen Handballs. Doch das scheint Milk herzlich wenig auszumachen.

„Für die Mannschaft ist es längst normal geworden. Und wenn doch mal Unstimmigkeiten sind, weiß ich mich schon durchzusetzen. Grundsätzlich haben wir aber großen Respekt voreinander“, so Milk. Doch sie weiß auch, dass speziell in der Elite-Liga meist nur Männer als Physiotherapeuten im Einsatz sind.

Zwar sagt sie heute, dass es schon immer ihr Ziel gewesen sei, Physiotherapeutin zu werden, doch hat sie nach dem Abitur zunächst einen anderen weg eingeschlagen. Zwei Semester studierte sie die Fächer Deutsch und Pädagogik, hatte die Lehrerlaufbahn ins Visier genommen. „Viele rieten mir dazu zu studieren. Doch ich merkte schnell, dass ich lieber in der Praxis arbeiten wollte“, sagt Milk. Sie selbst spielt keinen Handball - will sie auch nicht. Sportlich war sie über Jahre hinweg intensiv in der Leichtathletik beheimatet. „Ich kann nicht werfen. Das zeigt sich dann leider immer, wenn ich mit Spielern aufgrund von Bewegungsabläufen Übungen durchführen muss. Da sind die Lacher programmiert“, so Milk.

An der Seite der Handballer ist sie mittlerweile schon vier Jahre aktiv. Anfangs vertrat sie ihren damaligen Chef. Mittlerweile ist sie aus dem Team nicht mehr wegzudenken. Sie kümmert sich um die gesundheitliche Betreuung der Spieler. Diese Tatsache alleine verlangt gegenseitiges Vertrauen. „Die Jungs sind ja auf ihre Körper angewiesen. Ich denke schon, dass sie mir vertrauen. Das müssen sie ja auch. Der Kontakt zur Mannschaft ist automatisch recht eng. Ich bin ja quasi ständig auf Abruf“, so Milk.

Bei der jungen Physiotherapeutin läuft die komplette medizinische Betreuung der Profis zusammen. Morgens beim Training behandelt sie die Spieler, macht Verbände oder Tapes, mittags koordiniert sie Arztbesuche und abends behandelt sie die Handballer meist weiter. „Wenn es sein muss, auch mal drei Stunden nach Trainingsende. Einen geregelten Feierabend gibt es eigentlich nie. Mit den Ärzten stehe ich in regelmäßigem Kontakt“, sagt die 27-Jährige. Doch bei all der Souveränität, die Lena Milk heute an den Tag legt, war sie speziell am Anfang vor flapsigen Bemerkungen nicht gefeit. Sprüche wie „Die bleiben doch nur liegen, weil du sie behandelst“ oder „Mit dir würde ich auch gerne tauschen, ständig gut gebaute Männer um sich“ waren keine Seltenheit, wie Milk erzählt.

„Doch die, die sich im Sport auskennen“, so die Physiotherapeutin weiter, „die wissen, dass es mir nicht um die Männer geht. Die Arbeit als Physiotherapeutin macht mir einfach Spaß.“

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