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Serie - Folge 2

Mit anderen Waffen - die Tatort-Kommissarinnen

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Wer an Frauen und Verbrechen denkt, denkt an Miss Marple. Als Agatha Christie die literarische Figur der berühmten Schnüfflerin schuf, schwebte ihr eine kultivierte ältere Dame vor. Diese scheint - bei ihren ersten Auftritten in Kurzgeschichten der 1930er Jahre - so um die 65 Jahre alt zu sein. Da ihr letzter Fall im Roman „Ruhe unsanft“ von 1976 datiert, brachte es Miss Marple, die Jahre ihrer kriminalistischen Aktivitäten zusammengerechnet, also auf das Alter von 111. Das müssen ihr andere (Ermittlerinnen) erst mal nachmachen.

Fünf davon, nicht blutjung, sondern im besten Frauenalter, gibt es aktuell unter dem Dach der Krimi-Marke „Tatort“. Und ähnlich, wie sich für die Herren Ermittler des nunmehr 40 Jahre existierenden Kultkrimis konstatieren lässt, dass sie anfangs als korrekte Beamtentypen auftraten und heute überwiegend als graue Wölfe, scheint für die Frauen im „Tatort“ festgeschrieben, dass sie emanzipiert und intelligent sein müssen, um gegen die männlichen Kollegen bestehen zu können.

Nicole Heesters etwa, als Marianne Buchmüller 1978 die erste „Tatort“-Kommissarin überhaupt, war in keinem ihrer drei Fälle je mit einer Waffe in der Hand zu sehen - für Ulrike Folkerts als herbe Lena Odenthal aus Ludwigshafen heute vermutlich unvorstellbar. Heesters war die Beobachtende, die sich auf ihre Intuition verließ, während die nachfolgende Karin Anselm als aparte Hanne Wiegand die Sanfte, die Zerbrechliche verkörperte, die mit Sensibilität, Zähigkeit und Ausdauer die Täter zur Strecke brachte.

In ihre Fußstapfen tritt heute noch am ehesten Eva Mattes als Klara Blum aus Konstanz. Bei ihr fallen unbestechliche Beobachtungsgabe und ein großes Herz auf. Die Kommissarin ist eine, die das Vertrauen der Menschen gewinnen kann. Und die beim Schießen den lauten Knall nicht erträgt.

Die Ludwigshafener Kollegin ist da weit weniger empfindlich. Bei Lena Odenthal darf´s ruhig richtig krachen, da darf auch mal über die Grenze des polizeilich Erlaubten gegangen werden, wenn es der Aufklärung dient. Das WG-Geplänkel der Dauer-Solistin mit ihrem Kollegen Kopper (Andreas Hoppe) ist allerdings auch längst auserzählt.

Wenn es etwas gibt, das die „Tatort“-Damen eint, dann ihre private Situation, die, als Handicap, manchmal den Kriminalfall überstrahlt, zumindest aber oft Parallelen aufzeigt. Keine ist verheiratet, keine hat einen festen Partner, manche sind alleinerziehend. Maria Furtwängler als kühle Charlotte Lindholm aus Hannover zum Beispiel. Die hatte bislang für ihren kleinen Sohn einen Ersatzpapa, der ihr nun schnöde von der Fahne gegangen ist. Und schon wabert die Einsamkeitsangst durch den Kriminalfall.

Sabine Postel, als Inga Lürsen in Bremen die patenteste Fahnderin im Bunde, hat eine erwachsene Tochter, die auch den Polizeidienst anstrebt, aber dafür schon mal was mit Mutters Assistent anfängt. Und auch Simone Thomalla als Eva Saalfeld aus Leipzig wird bei der Arbeit manchmal von Privatem eingeholt. Das passiert halt, wenn der sperrige Kollege der „Ex“ ist.

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