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Mit Cargo durch die Wüste

Julia Gottschick

Münster - Wer je beim Radfahren mit viel Geschepper seinen Einkaufskorb verlor, der weiß die Genialität dieses Einfalls zu schätzen: ein System, mit dem Taschen und Körbe bombensicher an den Gepäckträger geklickt - und sogar abgeschlossen werden - können.

Peter Ronge ist ein Mann, der im Alltag beobachtet, was Menschen so brauchen könnten, einer mit guten Ideen, der nicht bei ihrer Zündung verharrt, sondern sie gleich in die Tat umsetzt. Und das nicht nur bei seinen sogenannten racktime-Taschen- und Träger- Systemen für Fahrräder.

Angefangen hat der heute 46-Jährige während des Studiums, als er eine eigene Radbau-Firma gründete. Die hatte sich auf die Anfertigung von Sonderteilen für Liegefahrräder spezialisiert. 1987 schließlich hob er die tubus GmbH aus der Taufe, die sich bis heute auf Fahrradzubehör spezialisiert hat, das über den Großhandel vertrieben wird. „Bestseller und seit 20 Jahren ein Klassiker“, so der tubus-Geschäftsführer, ist das Gepäckträger-Modell Cargo. Extrem stabil, ist es für Menschen gemacht, die die Erde per Rad entdecken wollten. Extremsportler also, die auf Cargo bis zu 40 Kilo transportieren können. „Man bekommt sehr viel drauf, Wassertanks für Wüsten-Durchquerungen zum Beispiel“, sagt Ronge. Schenkt man dem Experten Glauben, dann ist das Modell inzwischen so etwas wie der Porsche unter den Trägern. „Das ist wie ein schickes Auto, der weckt Begehrlichkeiten“.

Seit zehn Jahren produziert tubus in China. In Hangzhou arbeiten 65 Menschen, davon 25 Schweißer, in Münster sind es 16. Träger in Serie von Hand schweißen zu lassen, für diese Arbeit würde man hier niemanden finden, glaubt Ronge. Für chinesische Verhältnisse aber seien seine Arbeiter gut bezahlt, er orientiere sich - ebenso wie an den beiden andenen Produktionsstätten Vietnam und Taiwan - an europäischen Arbeitsbedingungen. Krankenversicherung für die ganze Familie inklusive.

„Ein menschliches Anliegen“, so Ronge, sei es ihm, dass seine Mitarbeiter morgens genauso gern zur Arbeit kämen, wie sie abends in den Feierabend starten. Grade in China sei es wichtig, Arbeiter an die Firma zu binden, da dort eine hohe Fluktuation herrsche. Was die Montage der tubus-Trägersysteme angehe, arbeitet die Firma mit den Tilbecker Werkstätten zusammen, integrativ sind so 25 Mitarbeiter in einer eigens gegründeten GmbH beschäftigt. Dass Ronge sich auf Fahrrad-Zubehör spezialisiert hat, liegt daran, dass er als Jugendlicher im Radsport aktiv war. Daher komme seine „Begeisterung für alles, was rollt“. Hausfrauen, die in Münster und andernorts zum Markt wollen, nehmen für gewöhnlich auch das Rad. Damit die ihre Blumensträuße und Porreestangen nicht verlieren, hat Ronge eine spezielle Tasche erdacht, mit Kragen. Selbstverständlich, wie bald auch Basttaschen in fröhlichen Farben, per Click-System am Gepäckträger zu befestigen.

Kreativ, verspielt wirkt der 46-Jährige, wenn er etwa verrät, dass er - aus purer Verzweiflung als Hobbykoch - eine Muskatreibe erdacht hat, mit der man sich nicht die Finger blutig schrammt. „Und eine Pfeffermühle, bei der nicht halbe Pfefferkörner auf dem Boden landen“. Produkte entstünden bei ihm niemals durch Zwang, und das merkt man ihm an.

Wenn eine Idee zündet, dann bleibt er dran: ein Sinnbild scheint da der überdimensionale Feuerspucker zu sein, der in seinem Büro an der Wand hängt. Ein Foto, das seine Schwester gemacht hat, und ihm gefällt. „Warum, weiß ich auch nicht so genau.“

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