1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Mit iPad und edlem Zwirn

  6. >

Politik Inland

Mit iPad und edlem Zwirn

Düsseldorf - In Bayern tun sie es. Das Motto von Laptop und Lederhose ist auch im bayerischen Landtag längst Alltag. iPad und Nadelstreifen heißt es auch im Bundestag, wo selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Debatten gerne mit dem Tablet-PC arbeitet. Seit einiger Zeit diskutieren über diese Frage auch die Abgeordneten des nordrhein-westfälischen Landtags, denn im...

Hilmar Riemenschneider

Düsseldorf - In Bayern tun sie es. Das Motto von Laptop und Lederhose ist auch im bayerischen Landtag längst Alltag. iPad und Nadelstreifen heißt es auch im Bundestag, wo selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Debatten gerne mit dem Tablet-PC arbeitet. Seit einiger Zeit diskutieren über diese Frage auch die Abgeordneten des nordrhein-westfälischen Landtags, denn im Plenarsaal regiert noch Papier. Landtagspräsident Eckard Uhlenberg (CDU) hat sich in München ein Bild gemacht: „Das hat mich nicht überzeugt“, sagte er gestern unserer Zeitung. Er selbst ist „kein Anhänger einer Technisierung der Parlamentsarbeit“. Und dass in Bayern die Abgeordneten während einer Regierungserklärung das Laptop aufklappen, findet er befremdlich. Eine Lehre dieses Besuches: Wenn überhaupt, dann kommen nur Tablet-PCs wie das iPad zum Zuge. Beim für Sommer geplanten Umbau des Plenarsaals werden Strom- und Netzwerkanschlüsse in die neuen Pulte eingebaut, das nimmt die Entscheidung aber nicht vorweg. Auch elektronische Abstimmungssysteme am Platz wird es nicht geben, die Abgeordneten sollen eher mit Chipkarten votieren. Bis dahin müssen sie aber noch den einen oder anderen Hammelsprung absolvieren. In ihrer täglichen Arbeit nutzen die Parlamentarier längst moderne Notebooks, um etwa Gesetzesvorlagen darauf zu studieren. Wenn aber darüber im Plenum debattiert wird, sind die mobilen Rechner verbannt. Dabei finden sich in allen Fraktionen immer mehr Fürsprecher einer modernen Technikausstattung, um den papierarmen Landtag Realität werden zu lassen. Doch es gibt in allen Parteien ebenso Gegner, die Sorge um die Debattenkultur haben, weil Notebooks die Parlamentarier zu stark ablenken. Ihr Argument, der Landtag sei schließlich ein Rede-Parlament, kann dessen Vizepräsidentin Carina Gödecke gut nachvollziehen. „Es geht nicht darum, Freizeitverhalten ins Parlament zu verlagern“, schiebt die SPD-Politikerin zugleich einen weiteren Kritikpunkt beiseite. Ähnlich bewertet es ihre Amtskollegin von der FDP, Angela Freimuth. Sie hat zwar ihr Abgeordneten-Büro komplett digitalisiert und würde gerne während einer Debatte schnell mal „eine Zahl recherchieren“. Ob das wirklich ins Plenum gehört, ist sie sich aber nicht sicher. Uhlenbergs Anliegen ist auch das Erscheinungsbild bei den rund 70 000 Besuchern im Jahr. Schon heute bekomme er Briefe von Bürgern, die sich irritiert über Zeitung lesende Abgeordnete im Landtag zeigen. Darum sei das ein sensibles Thema. Gödecke ahnt, dass „wir die Diskussion vermutlich in einigen Jahren belächeln werden“.

Startseite