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Sport&Alkohol

Mit Kater lieber auf die Bank

Stefan Werding

Bielefeld/Münsterland - Jetzt noch ein Bier: Auf die Idee wäre in dem Bus, der am Wochenende von Leverkusen nach Münster fuhr, keiner gekommen. Als die A-Jugendlichen von Preußen Münster zwei Stunden im Bus saßen, gab es zwar einen 2:0-Sieg zu feiern – aber kein Bier. „Bei uns gibt es das nicht“, sagt Trainer Martin Kastner: Kein Bier auf dem Trainingsplatz, kein Bier auf der Rückfahrt, kein Bier im Trainingslager. „Wir müssen nicht erwähnen, dass Alkohol dort verboten ist“, sagt Kastner.

Für Jugendliche, die die Chance haben, Profifußballer zu werden, ist das vielleicht selbstverständlich. Für viele andere offenbar nicht. Sportvereine können nach den Worten des Bielefelder Sportwissenschaftlers Thomas Fritz keine Jugendlichen vom exzessiven Alkoholkonsum abhalten. 88 Prozent der Jugendkicker, die er in Bielefeld befragt hat, haben irgendwann schon einmal Alkohol getrunken – knapp die Hälfte davon zum ersten Mal in Verein. Es hätten auch mehr sein können, betont Fritz. Darum traut der 33-Jährige den Vereinen grundsätzlich zu, Jugendliche schützen zu können.

Vorbild sind in Fritz’ Augen die Trainer: „Wenn sie sensibel für das Thema sind, haben sie ein großes Potenzial, schützend zu wirken. Die Jugendlichen richten sich schon danach, welche Rolle der Trainer ihnen vorgibt.“ Übungsleiter, die niemanden spielen lassen, der am Vorabend über die Stränge geschlagen ist, würden Jugendliche viel mehr packen als der erhobene Zeigefinger.

Für Preußen-Trainer Kastner gilt grundsätzlich, dass er kein Bier trinkt, wenn er mit seinen Kickern zusammen ist. Ausnahmen sind selten: Wenn die nächsten zehn Tage kein Spiel ansteht, kann ein gemeinsamer Besuch in der Disko „mit ein, zwei Bier“ durchaus den Teamgeist stärken. „Wir müssen uns auch außerhalb des Sportplatzes kennenlernen. Wenn wir so tun, als wenn es das normale Leben nicht gibt, werden wir unglaubwürdig“, sagt er.

Dr. Sabine Wedekind vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist trotzdem überzeugt, dass Sport Kinder und Jugendliche so stark macht, dass sie „zu Drogen und Alkohol Nein sagen" können. Außerdem würden sie erleben, wie Ältere im Verein Stellung zum Alkohol beziehen. Deswegen würde der Verband versuchen, seine Lehrkräfte zu sensibilisieren.

Auf dem Fußballplatz der Warendorfer Sportunion gilt ein Alkohol- und Rauchverbot für Jugendliche. Der Erste Vorsitzende der Fußballabteilung, Ulrich Laustroer, will verhindern, dass sie „die Kiste am langen Arm“ auf den Fußballplatz tragen. „Wir sehen Alkohol als Droge an, die zwar gesellschaftlich anerkannt ist, aber nicht mit unserem Sport zu verbinden ist.“ Schließlich müsse nicht jede Freizeitbeschäftigung mit Alkohol verknüpft sein, meint er, und weiß damit viele Eltern auf seiner Seite. Schließlich müsse der Verein „gewisse soziale Rahmenbedingungen schaffen“. So würde er ungerne sehen, wenn das Feiern und nicht das Fußballspielen im Vordergrund steht.

Das kann Laustroer allerdings nur für seine Jugendlichen durchsetzen. Dass die Alten Herren und die Senioren nach dem Spiel in der Kabine eine Zigarette rauchen und ein Bier trinken, „das werden Sie nicht verhindern“, sagt Laustroer. „Wir sind keine Weltverbesserer und wollen den Alkohol nicht grundsätzlich vertreiben.“

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