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Reste vom Vortag

Mittags was Warmes

Barbara Maas

Münster - Wenn es ums Essen geht, lieben die Deutschen ihre Traditionen. Das ist zumindest das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Nürnberger GfK-Instituts. Drei Mahlzeiten am Tag, ein warmes Mittagessen zu Hause und nachmittags Kaffee und Kuchen - so sieht es demnach mehrheitlich auf den hiesigen Esstischen aus. Nur die 20- bis 29-Jährigen essen erst, wenn sie Hunger haben und dann oft unterwegs. Rund 40 Prozent ihrer Mahlzeiten nehmen die Jüngeren außerhalb der eigenen Wohnung zu sich.

Die Frage, welches Prinzip denn nun gesünder ist - regelmäßige Mahlzeiten zu Hause oder der Snack nach Bedarf - beantwortet die Ernährungswissenschaftlerin diplomatisch: „Es kommt darauf an“, sagt Prof. Dr. Heike Englert von der Fachhochschule Münster. „Wenn Sie normalgewichtig sind, ist es völlig wurscht, wie oft Sie essen.“ Allerdings seien für Diabetis-Patienten, die mit hohen Blutzuckerschwankungen zu kämpfen haben, fünf Mahlzeiten pro Tag besser. Für Übergewichtige gelte dagegen oft die einfache Rechnung: Mehr Mahlzeiten bedeuten auch mehr Kalorien. „Dann kommt zu dem Apfel am Nachmittag auch schnell ein Keks oder ein Stück Kuchen“, warnt Englert. Ob drei oder fünf Mahlzeiten täglich: „Wichtiger ist, was man isst.“

Das warme Mittagessen ist laut der repräsentativen Umfrage unter 4500 Personen nach wie vor der Regelfall. Weniger als ein Viertel der Deutschen isst mittags einen kalten Snack. Brot kommt dann vor allem abends auf den Tisch. Mit 52 Prozent ist der Vorsprung vor der warmen Mahlzeit allerdings knapp.

Prinzipiell spreche nichts dagegen, zwei Mal am Tag etwas Warmes zu essen, beruhigt Englert - solange das Essen leicht sei, wie gedünsteter Fisch oder Gemüse. „Sößchen, Fleisch, Kartoffeln - da habe ich schnell mehr Kalorien auf dem Teller.“ Dass während des Abendessens bei mehr als einem Drittel der Deutschen der Fernseher läuft, findet Englert bedenklicher: „Da isst man schnell in einem unkontrollierten Maß, weil die Aufmerksamkeit geteilt werden muss.“

Man solle Menschen nicht unnötig in ein „Verhaltenskorsett“ zwängen, sagt die Wissenschaftlerin. „Stellen Sie sich zum Beispiel einen hart arbeitenden Bauarbeiter und dazu ein Müsli vor. Wenn er´s mag - toll!“ Wenn er aber lieber ein Brot mit Schoko-Creme oder Marmelade frühstückt - so wie übrigens die meisten Deutschen - ist das aber eben auch kein Beinbruch. „Natürlich ist ein Müsli ohne Zucker und mit frischem Obst die bessere Alternative. Aber ein halbes Nutella-Brötchen ist an sich nichts Schlimmes.“ Im Vordergrund stehe immer die Qualität der Lebensmittel. Genauso wichtig sei die Frage, welches Essen in den Rhythmus des Einzelnen passe. Und: „Was gibt mir Lebensqualität?“

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