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Monstermäßig gut: „The Next Big Thing“

wn

Wenn es nach den Péndulo Studios geht, haben Brian Basco und Gina Timmins vorerst ausgedient. Die beiden tragenden Figuren der „Runaway“-Reihe haben mit „Twist of Fate“ offenbar ihr letztes Abenteuer erlebt.

Nun treten der erfahrene Star-Journalist Dan Murray und die leicht spleenige Nachwuchsreporterin Liz Allaire in ihre Fußstapfen. Doch die beiden Alpha-Tiere sind so gar kein Traumpaar, reden sich zum Beispiel grundsätzlich nur mit „Irre!“ und „Blödmann!“ an. Wie sollen sie da gemeinsam eine große Geschichte recherchieren - „The Next Big Thing“ (Crimson Cow, für PC, etwa 30 Euro) sozusagen?

Das nächste große Ding - reichlich vollmundig für ein Entwicklerstudio, selbst für die Péndulo Studios, zu denen nicht wenige Adventure-Macher seit Basco/Timmins ehrfurchtsvoll aufblicken. Dabei hat das neue Game der Spanier die besten Voraussetzungen zum Hit.

1. Grafik: Quietschbunt und handgezeichnet - nicht jedermanns Geschmack, aber so richtig old school.

2. Humor: Freche Dialoge mit viel Wortwitz und reihenweise Running Gags (Liz Gesprächspartner kommentieren ihre meist zusammenhangslosen Sätze entrückt mit: „Ver...wirrend!“).

3. Story: Aberwitzig, sehr fantasiereich, mitunter nicht von dieser Welt.

Nicht von dieser Welt sind vor allem die vielen Monster, die im Spiel das Los Angeles der 50er Jahre als gleichberechtigte Bürger bevölkern - was einige Exemplare nicht davon abhält, ganz menschliche Verbrechen zu begehen: Einbruch zum Beispiel. „Big Albert“, so etwas wie Frankensteins gut aussehender Cousin, ist in das Büro des gewichtigen Filmproduzenten Fitzrandolph (übrigens auch ein Monster) eingestiegen. Liz wittert dahinter die große Story - und deckt nebenbei einen Skandal auf.

„The Next Big Thing“ ist von Beginn an ein herrlich schräges Erlebnis. Die Charaktere, allen voran die übernatürlichen, stehen oftmals dem Geisteswahn bedenklich nah. Dagegen wirken Liz und Dan mit ihren egomanischen Allüren fast normal.

Viele der abgedrehten Rätsel (besonders verrückt ist der Besuch des Unterbewusstseins einer Figur) hätten allerdings zuvor in die „Runaway“-Schule gemusst: Sie sind zu leicht, und die Lösungen erschließen sich oft erst im Nachhinein. Doch „The Next Big Thing“, auch wenn den Péndulo Studios nicht der ganz große Wurf gelungen ist, hält den Spieler bis zum Ende bei der Stange. Vielleicht dürfen Basco/Timmins das nächste Mal mitmachen. Allein ein Treffen mit Murray/Allaire wäre ein eigenes Spiel wert.

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