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Filmrezensionen

„Montag kommen die Fenster“

Gian-Philip Andreas

Mit erheblicher Verspätung, aber immerhin, kommt Ulrich Köhlers zweiter Spielfilm nach dem gerühmten „Bungalow" nach Münster: „Montag kommen die Fenster", Gewinner des Hessischen Filmpreises, erzählt erneut von einem Ausbruch, und wiederum erzählt Köhler unspektakulär, im ruhigen Duktus der „Berliner Schule", der er zugerechnet wird, obgleich er in Hamburg studierte.

Eine junge Ärztin (Isabelle Menke) ist mit ihrem netten Mann (Hans-Jochen Wagner) und dem Töchterchen von Berlin in die Provinz gezogen – nach Kassel. Dass sie dort nicht glücklich ist, sieht man sofort, die Renovierungsarbeiten am Eigenheim („Montag kommen die Fenster!") interessieren sie sowieso nicht. Dann fährt sie in den Harz und spricht dumpf ins Handy: „Ich komm nicht mehr zurück". Das stimmt zwar nicht, doch ihre Auszeit führt sie in ein surreales Berghotel in Braunlage, am Fuße des Brocken, in die Arme eines gealterten rumänischen Tennisstars (gespielt vom gealterten Tennisstar Ilie Nastase!) und zurück. Der nette Gatte hat sich inzwischen rasiert.

Den Reim aufs Geschehen muss sich in dieser Krisenstudie der Zuschauer selbst machen – doch die präzise Kamera von Patrick Orth („Sommer '04"), die glänzenden Darsteller und Köhlers Sinn für die Melancholie des Alltags machen auch diesen Film zum Ereignis. Sehenswert.

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