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Urteil: „Rache war das maßgebliche Motiv“

Mord in Auftrag gegeben: Zehn Jahre und sechs Monate Haft für Viehhändler

Münster - Weil er einen Auftragskiller auf einen verhassten Konkurrenten ansetzte, ist ein Viehhändler aus Nordrhein-Westfalen zu zehneinhalb Jahre Haft verurteilt worden. Das Landgericht Münster verurteilte den 60-Jährigen am Montag wegen Anstiftung zum versuchten Mord. Er soll im November 2008 einen anderen Mann dafür angeheuert haben, einen Konkurrenten zu erschießen...

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Münster - Tränen unter den Angehörigen, fassungsloses Kopfschütteln beim Angeklagten, der noch im Gerichtssaal verhaftet wurde: Weil er einen Auftragsmörder gedungen und dazu angestiftet haben soll, einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen, ist jetzt ein 59-jähriger Viehhändler aus Enniger vor dem Landgericht Münster zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. In einem ersten Prozess 2009 war der Angeklagte zunächst freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil nach einer Revision der Anklage aber wieder einkassiert. Für Münsters Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer war das jetzige Urteil keine Überraschung. „Wir waren von Anfang an überzeugt, dass der Angeklagte der Anstifter dieses Anschlags war,“ kommentierte er am Montag. Das Verbrechen im Viehhändler-Milieu hatte Ende 2008 für großes Aufsehen gesorgt: Der vermeintliche Auftragskiller hatte an einem Morgen im November dem heute 46-jährigen Opfer, einem Viehhändler aus Südkirchen, mit einer Kleinkaliberwaffe durchs geöffnete Autofenster zweimal in den Kopf geschossen. Das Motiv für den Auftrag zu der Bluttat arbeitete der Richter in seiner Urteilsbegründung heraus: Der Angeklagte habe Rache nehmen wollen an seinem Konkurrenten für die wirtschaftliche Zerstörung seines Unternehmens. „Hass und der Drang, es ihm heimzuzahlen, wurden immer größer“, skizzierte der Richter am Montag die zerstörerische Entwicklung im Jahr 2008. Obwohl es im Vergleich zum Vorprozess keine neuen Erkenntnisse gab, „handelte es sich hier um Wertung und Würdigung der vorhandenen Beweise“, so Schweer. Die Kammer sah den Angeklagten unterm Strich des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Zwar hatte der bereits verurteilte Auftragsmörder den Angeklagten mehrfach entlastet, doch wertete das Gericht dessen Erklärungen als „nicht plausibel und lebensfremd“. Der Anwalt des Opfers, das von dem Überfall eine Angststörung und ein Taubheitsgefühl im Kiefer zurückbehalten hat, zeigte sich erleichtert. „Für meinen Mandanten war es schwer, während dieser langen Verhandlungszeit immer wieder mit dem schrecklichen Geschehen konfrontiert zu werden.“ Der Prozess habe die Erinnerung an den Anschlag stets erneut aufgefwühlt. Es steht nun zu erwarten, dass die Verteidigung in Revision gehen wird.

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