1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Müntefering: "Glück auf" - Bergbau auch nach 2018

  6. >

1. Mai 2007

Müntefering: "Glück auf" - Bergbau auch nach 2018

wn

Ibbenbüren. „Auch nach 2018 muss es mit dem deutschen Steinkohlenbergbau weitergehen. Und ganz vorn dabei ist die DSK Anthrazit Ibbenbüren GmbH.“ Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) konnte sich mit diesem Auftakt seiner Rede bei der Maikundgebung auf dem Neumarkt in Ibbenbüren des Beifalls sicher sein. Rund 2000 Zuhörer verfolgten die von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund organisierte Veranstaltung unter dem Motto „Du hast mehr verdient – mehr Respekt, soziale Verantwortung, gute Arbeit“.

Der Arbeits- und Sozialminister hatte zunächst lautstark mitgesungen bei „Glück auf der Steiger kommt“ und dann erklärt, es hätten sich diejenigen geirrt, die da glaubten, man könne die jahrhundertelange Bergbau-Tradition in Deutschland mal einfach so beenden. Der Auslauftermin 2018 werde 2012 überprüft, dann neu entschieden. Müntefering: „Nun tun einige so, als ob diese Revisionsklausel nur ein kleiner Spruch ist. Die irren sich schon wieder.“ Er betonte, zum Energiemix gehöre die Steinkohle. Außerdem sei der Bergbau in Deutschland Hochtechnologie. „Das sieht man hier in Ibbenbüren.“ Und mit dieser Technologie könne man „ein Zeichen geben, wie man Energieprobleme weltweit löst“.

Und dann entdeckte der Vizekanzler ein Transparent mit der Aufschrift „Große Koalition – großer Mist“. Müntefering: „Wenn wir diese Große Koalition nicht gemacht hätten, wenn wir Schwarz-Gelb allein gelassen hätten, wäre das mit Ibbenbüren zu Ende. Und das mit dem Kündigungsschutz auch.“ Es gebe Situationen im Leben, da könne man nicht alles haben, müsse das nehmen, was man nehmen kann. „Glaubt nicht, dass mir alles, was stattfindet, gefällt. Aber ich laufe nicht weg vor dieser Herausforderung. Wir lassen den Kirchhofs und den Merzens und den Westerwelles nicht diese Republik. Wir wollen, dass das Soziale dabei bleibt, und dafür sorgen wir auch in dieser Großen Koalition, so gut wir es denn können.“

Franz Müntefering kritisierte Dumpinglöhne von 3,50 Euro die Stunde und weniger. „Hier wird die Lage am Arbeitsmarkt ausgebeutet.“ Es gebe rund 500 000 Menschen in Deutschland, die trotz voller Arbeit unterhalb des Existenzminimums liegen. Der Vizekanzler: „Wer jeden Tag zur Arbeit geht, seinen Job macht, muss sich auch davon ernähren können.“ Zu „guter Arbeit“ gehöre ein fairer Lohn, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung. Gute Arbeit bedeute weiter Tarifautonomie, Mitbestimmung und Kündigungsschutz. Und dazu brauche es starke Gewerkschaften, „auch wenn sie manchmal anstrengend sind, sie sind wichtig für die Demokratie.“

Die Zahl von 3,967 Millionen Arbeitslosen nannte der Vizekanzler „immer noch zu hoch“, aber über einen Rückgang um 1,1 Millionen in zwei Jahren könne man sich auch mal freuen, wenn man nicht wie in Deutschland einen Hang zur Depression habe. Sein Blick in die Zukunft: „Wenn wir uns anstrengen, können 2007 und 2008 gute Jahre werden.“

Schließlich appellierte der SPD-Politiker, alle Kraft in die Ausbildung und Qualifizierung der jungen Menschen zu legen. Nur mit einer Zukunft für die heutigen Kinder sei der Wohlstand der Gesellschaft zu erhalten. Es dürfe kein Junge oder Mädchen die Schule verlassen, ohne einen Ausbildungs- oder Studienplatz zu haben.

Startseite