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Müntefering über Steuerbonus: Das wird ein Renner

Münster - „Ich denke in die richtige Richtung - in die sozialdemokratische“, tönt Franz Müntefering am Freitag in der alten Speicherstadt in Münster. Der SPD-Parteichef sagt es auch an diesem Nachmittag so einfach, wie beinahe nur er es sagen kann...

unserem Redaktionsmitglied Dirk Anger

Münster - „Ich denke in die richtige Richtung - in die sozialdemokratische“, tönt Franz Müntefering am Freitag in der alten Speicherstadt in Münster. Der SPD-Parteichef sagt es auch an diesem Nachmittag so einfach, wie beinahe nur er es sagen kann. Und damit soll klar sein: Der in dieser Woche aus dem Hut gezauberte 300-Euro-Steuerbonus bei gleichzeitigem Verzicht auf eine Steuererklärung ist „eine gute Sache“. Oder wieder sozialdemokratisch: „Ein Versuch der Umverteilung.“ Allen Kritikern prophezeit Müntefering noch: „Das wird ein Renner.“

Mehr als 500 Menschen sind gekommen. Trotz strahlenden Sonnenscheins wollen sie den Mann sehen, der schon vor vier Jahren die „Heuschrecken“ im Finanzsystem geißelte. Und heute ist laut Müntefering das Schlimmste nicht vorüber: „Es kommt noch einiges auf uns zu.“

Um den Wiederholungsfall auszuschließen, will der 69-Jährige dem Markt Ketten anlegen. „Wirtschaft und Geld sind für die Menschen da und nicht umgekehrt.“ Da klatschen sie alle nebeneinander, Kirchenvertreter, Wirtschaftsleute, Parteifunktionäre und die Basis. Müntefering fordert einen TÜV für Geldprodukte. Schließlich sei auf dem Jog-hurt-Becher auch ein Stempel, „wie lange das Ding verkauft werden darf.“ Das leuchtet den Zuhörern ein, für solche Sätze lieben sie ihn in der SPD. Auch in Münster.

Wer mit seinem Geld nicht zocken wolle, dessen Einlage sollen die Banken künftig garantieren. So stellt sich der Sauerländer die neue Welt nach der Lehman-Pleite vor. Mit „sittenwidrig hohen“ Managergehältern“ soll es vorbei sein. Zumal: „In den Spitzenhäusern oben gibt es mindestens so viele Nieten wie auf dem Kirmesplatz.“ Und dann gibt er noch den „Mecker-Münte“, der sich verärgert über die Kanzlerin zeigt: Ein Gesetz zur Austrocknung der Steueroasen sei längst fertig, werde aber immer wieder im Kabinett verschoben. Jetzt sieht er eine neue Chance für das Vorhaben von Parteifreund und Finanzminister Peer Steinbrück. „Dann bin ich ganz mitteleuropäisch zivilisiert und wieder freundlich“, lässt der Spitzengenosse die Kanzlerin wissen.

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