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Nach Pannen-Serie: Umweltminister will AKW-Produktionsleiter treffen

Stefan Felten

Berlin/Lübeck – Im Streit über den Umgang mit den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hat Schleswig-Holsteins zuständige Ministerin Gitta Trauernicht (SPD) Rückendeckung vom Bund erhalten. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte nach Angaben einer Sprecherin vom Montag, „dass wir nicht den Eindruck haben, dass die Ministerin irgendwelche Informationen zurückgehalten hat“. Die Lübecker Staatsanwaltschaft bekräftigte vor dem Hintergrund einer umstrittenen Polizeiaktion am 13. Juli in Krümmel, damals sei der Name des Reaktorfahrers nicht bekannt gewesen, der nach einem Trafobrand am 28. Juni ein Atemschutzgerät trug.

Der für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministerin Trauernicht war in Medienberichten vorgeworfen worden, den Namen des Reaktorfahrers bereits gekannt zu haben, als sie Vattenfall noch öffentlich zu dessen Nennung aufgefordert hatte. Am Montag sagte sie: „Die Erklärung der Staatsanwaltschaft lässt die Vorwürfe vom Wochenende wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.“ Rücktrittsforderungen von FDP und Grünen hatte sie bereits zuvor zurückgewiesen.

Gabriel will einem Zeitungsbericht zufolge nach den Pannen in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel die Produktionsleiter aller deutschen Atommeiler zu einem Treffen einberufen. Das gehe aus einem Bericht seines Ministeriums an den Umweltausschuss des Bundestages hervor, schreibt die „Westfälische Rundschau“ (Dienstag). Dabei sollen die Kommunikationsregeln in den Kraftwerkswarten insbesondere bei Störfällen zur Sprache kommen. Gabriels Bericht, der der Zeitung vorliegt, bemängele das Verhalten des Personals bei den Vorfällen in den beiden AKWs.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen einer möglichen Körperverletzung, die der betreffende Reaktorfahrer bei dem Brand in Krümmel erlitten haben könnte. Polizisten hatten sich am 13. Juli Zutritt zum Leitstand des Vattenfall-Meilers und zu Büroräumen verschafft, um die Personalien des Reaktorfahrers mit der Schutzmaske zu bekommen. Die Kraftwerksleitung habe sich geweigert, die Auskunft zu geben, erläuterte die Staatsanwaltschaft am Montag. Die Atomaufsicht in Kiel habe zwar drei Namen gehabt; ob der Gesuchte darunter gewesen und welcher es gewesen sei, habe man aber nicht gewusst. Der Leitende Lübecker Oberstaatsanwalt, Heinrich Wille, widersprach am Montag auch Spekulationen, seine Behörde sei zu der Durchsuchungsaktion in Krümmel gedrängt worden.

Die Staatsanwaltschaft dementierte darüber hinaus die angebliche Äußerung ihres Sprechers „Wenn wir sie (die Namen) gehabt hätten, wären die Maßnahmen so nicht gelaufen“. Dies sei so nicht gesagt worden.

Die Reaktoren in Krümmel und Brunsbüttel waren am 28. Juni nach Pannen per Schnellabschaltung vom Netz gegangen. Beide Meiler sind auch derzeit abgeschaltet. Brunsbüttel hatte zwischendurch wieder Strom geliefert, wurde aber wieder vom Netz genommen, nachdem in der Verankerung von Leitungen des Nach- und Notkühlsystems zu große Bohrlöcher entdeckt worden waren. Die Kontrollen dauern an. In Krümmel steht über die weiteren Untersuchungen hinaus bis Ende August die übliche Revision an. Wann beide Reaktoren wieder angefahren werden können, ist offen.

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