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Nach traumatischen Erlebnissen: Mädchen dürfen ihre neue „Identität“ behalten

Münster/Kreis Steinfurt - Der Weg zu einer neuen, glücklicheren Identität bleibt zwei kleinen Mädchen aus dem Kreis Steinfurt geebnet - so zumindest will es eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes in Münster...

Nadine Jansen

Münster/Kreis Steinfurt - Der Weg zu einer neuen, glücklicheren Identität bleibt zwei kleinen Mädchen aus dem Kreis Steinfurt geebnet - so zumindest will es eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes in Münster. Diese Entscheidung sah der kurdische Vater der Kinder als „diskriminierend“ an. Das Gericht jedoch begründete mit „Kindeswohl“.

Rückblende: Im Februar 1998 hatte die deutsche Mutter der Mädchen den mittlerweile in Osnabrück wohnenden Kläger in der Türkei geheiratet. Die Ehe war zwei Monate später auch in Deutschland anerkannt worden. 1999 und 2002 wurden dann die Kinder des Paares geboren. Doch das scheinbare Familienglück währte nicht lang. Bereits im November 2004 wurde die Ehe wieder geschieden, zwei Jahre später dann stellten die Mutter und die minderjährigen Kinder einen Antrag auf Namensänderung.

Fortan sollten die Mädchen nicht mehr den Nachnamen des Vaters tragen, eine der Töchter zudem einen leicht abgeänderten Vornamen erhalten, da es in Deutschland oft schwierig war, den Namen des Kindes eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuzuordnen. Selbst bei der Einschulung des 2002 geborenen Kindes war die Bezirksregierung Münster von einem neuen Schüler statt von einer neuen Schülerin ausgegangen.

„Das traumatisiert die Kinder doch, wenn alle Freunde plötzlich fragen, warum sie nun anders heißen“, empörte sich der Vater vor Gericht. Psychologische Gutachter und bereits zuständige Gerichte hatten ebenfalls das Wort „Traumatisierung“ verwendet. Allerdings in einem anderen Zusammenhang.

Denn im Februar 2006 hatte der Mann im Rahmen eines Streites um das Umgangsrecht versucht, seine Ex-Frau mit einem Spaten zu erschlagen, hatte zweimal zugehauen - und das vor den Augen der entsetzten Kinder. Diese wollten später nicht mehr den Nachnamen ihres Vaters tragen, wollten auch namentlich nicht mehr an das schreckliche Geschehen erinnert werden.

Um die Mädchen zudem vor Nachstellungen durch den Vater zu schützen und ihnen mit der Möglichkeit, fortan den Mädchennamen der Mutter zu tragen, ein stückweit eine neue Identität zu schaffen, hatten die Behörden dem Antrag auf Namensänderung stattgegeben. Eine Entscheidung, die der mehrfach wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilte Kindesvater nicht verstehen wollte.

„Das sind meine Kinder, das ist meine Existenz, das wird tiefe Spuren hinterlassen. Das ist eine Katastrophe“, sagte der Kurde. Er kämpfe seit Jahren für und um seine Kinder, am Ende koste es ihn aber immer nur Geld. „Das verletzt mich selbst“, klagte er über die Entscheidung, die seiner Meinung nach in erster Linie Ausdruck einer Diskriminierung von Seiten der Behörden sei. „Ich habe immer Unrecht. Das ist kein Zufall.“

Eine Entscheidung bezüglich des Umgangsrechtes steht vor dem zuständigen Familiengericht noch aus. Aber auch hier ist der Vater ob der angeblichen Diskriminierung sicher: „Ich habe keine Chance.“

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