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Nachts rücken Handwerker an - Petzhold-Umbau mit Überraschung

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Münster - Nacht für Nacht erstrahlt das Modehaus Petzhold in hellem Licht. Handwerker gehören derzeit im Haus am Prinzipalmarkt zu den besten Kunden. Sobald sich abends nach Geschäftsschluss die Türen schließen, tritt das Petzhold-Team an, um alle Waren abzudecken und einzupacken. Und das seit mindestens drei Tagen. Denn später rollen die Handwerker an. Wie die Heinzelmännchen bewegen sie sich bis sechs Uhr morgens durchs Haus, ziehen Stahlverstrebungen ein, schweißen, bohren, hämmern und tackern. Trockenbauer ummanteln den Stahl, dann haben die Maler das Sagen. Normalerweise wäre die Petzhold-Welt längst wieder in Ordnung. Wenn nicht die berühmte Überraschung im Altbau aufgedeckt worden wäre. Nur ganz langsam sieht Geschäftsführer Guido Schöttler-Leffers wieder Land. Ende Oktober, sagt er, soll die Umbauphase im Textilhaus beendet sein. Als der Geschäftsführer im Mai die Pläne für den zweiten Umbau im Haus am Prinzipalmarkt präsentierte, ahnte er noch nicht, dass die XXL-Sanierung um ein Vielfaches üppiger ausfallen wird als vorgesehen. 1,5 Millionen Euro wollten Daniela Leffers und ihr Mann Guido Schöttler-Leffers investieren. Nach den Bauarbeiten im vergangenen Jahr im Erdgeschoss sollte es nun dem zweiten Obergeschoss ans Mauerwerk gehen. Die zweite Etage schlummerte im früheren Petzhold-Haus lange im Dornröschenschlaf. Niemand wollte die Räume, die als Büroräume vermietet waren, haben. Familie Schöttler-Leffers wurde sich mit der Stadt, in deren Besitz sich das alte Haus befindet, einig. Dann begann das Drama mit dem Entkernen der Etage. Denn erst später stellte sich heraus, dass jede Betonstütze im Haus zusätzlich mit Stahl verstärkt werden muss, um das zusätzliche Gewicht, das demnächst auf der oberen Etage lastet, aufzufangen. Diese unvorhergesehenen Arbeiten, sagt Guido Schöttler-Leffers, „tun richtig weh“, denn vor einem Monat - mit Beginn der Herbst-/Wintersaison - sollte das Modehaus schon wieder fertiggestellt sein. Aber bei einem Altbau, bittet der Modespezialist die Kunden um Entschuldigung, „weiß man nie, was einen erwartet“. Immerhin wurde das Modehaus bereits im Jahre 1953/54 neu errichtet. Aber jetzt geht es voran. Alle energetischen und klimatechnischen Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Eigentlich sei das Haus komplett entkernt und hinter den Mauern neu aufgebaut worden, beschreibt der Geschäftsführer den Umfang der Arbeiten. „Eine hohe Anforderung an die Architekten“, fügt er hinzu. Seit knapp drei Wochen werden die groben Arbeiten bei Petzhold nur noch nachts ausgeführt. Zunächst hätten sie versucht, alles tagsüber zu erledigen, sagt Schöttler-Leffers, aber das sei eine Zumutung für Kunden und Mitarbeiter gewesen. 14 Betonsäulen müssen durchgängig sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Obergeschoss gestützt werden. Trotzdem sollen die Säulen später auf der Verkaufsfläche noch transparent und filigran aussehen. Die Verstrebungen an den Betonsäulen, sagt Architekt Joachim Lackmann, setzten sich vom Keller bis zum Dach fort. Sobald der Stahl die Säulen stützt, wird er zusätzlich mit Beton vergossen und unter Berücksichtigung des Brandschutzes mit entsprechenden Materialien verkleidet. „Das macht die Sache nicht unbedingt billiger, dafür aber sicherer“, sagt Lackmann. Rund 90 Tonnen Stahl, schätzt der Architekt, werden nach Abschluss aller Arbeiten im Altbau Petzhold verbaut sein. Dabei sei es auch ein Problem gewesen, in der Kürze der Zeit überhaupt an den Stahl und an eine passende Firma zu kommen, so Schöttler-Leffers. Architekt Lackmann freut sich, dass sie auf der Baustelle auch massive Unterstützung bei der Maßnahme von der Immobilienbesitzerin und damit von der Stadt Münster als Genehmigungsbehörde erfahren haben.

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