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Filmrezensionen

„Nanny Diaries“: Neurosen pflegen in New York

Gian-Philip Andreas

Das Regie-Duo Shari Springer Berman und Robert Pulcini hat sich vor vier Jahren mit der geistreichen Comic-Satire „American Splendor“ für höchste Aufgaben empfohlen; man durfte daher auf ihren nächsten großen Kinofilm gespannt sein. Leider aber ist aus den „Nanny Diaries“ (also: Tagebücher eines Kindermädchens) bloß eine mild satirische Romantic Comedy geworden.

Dabei fängt alles ganz gut an. Scarlett Johansson (die diesen Film noch vor „Die Schwester der Königin“ drehte) läuft mit uns durchs Naturhistorische Museum und macht Station vor ganz besonderen Ausstellungsobjekten: Upper-Class-Familien mit verzogenen Einzelkindern, Nannies und ihre smarten Liebschaften von Elite-Universitäten, alles eingefroren zu Museumsexponaten.

Anhand dieser Beispiele fächert sich die Geschichte auf: Johansson beginnt als Nanny bei einer überspannten Oberschichts-Hausfrau (Laura Linney aus „Enttarnt“), hat deren fünfjährigen, ADS-geschüttelten und durch Tofu-Diät und Vorschulsprachkurse geprüften Sohn zu hüten und die Gattin eines Workaholics (Paul Giamatti aus „American Splendor“) psychologisch zu beraten.

Diese Szenen aus der Neurosenhölle des New Yorker Großbürgertums sind in ihrer satirischen Überspitzung amüsant, doch die Schärfe verflüchtigt sich bald ebenso wie die museale Rahmenhandlung: Plötzlich muss sich noch die Mutter der Nanny einmischen, und der Liebhaber von der Elite-Uni (Chris Evans, „Street Kings“) taucht auch auf. Je normaler der Film wird, desto uninteressanter wird er auch.

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