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Katastrophe von Japan

Nation an ihrer Grenze

wn

Es wäre vermessen, von einem Wunder zu sprechen. Angesichts Hunderter Opfer wird das Erdbeben im Norden Japans seinen Platz in den Büchern zwischen dem Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 und der Katastrophe auf Haiti einnehmen. Und doch ist es bemerkenswert, dass die Zahl der Opfer nicht ungleich höher ist. Wer als Europäer jemals ein japanisches Hochhaus betreten hat und am Eingang belehrt worden ist, sich im Falle eines Erdbebens unter den Türrahmen zu flüchten, weiß, warum das so ist.

Japans Bevölkerung hat sich - mit dem Wissen um die tektonischen Risiken - seit Jahren mit der ihr eigenen Gründlichkeit auf den Tag X vorbereitet. Das war die bittere Lektion aus dem Erdbeben von Kobe, das in den 90er Jahren über 6000 Tote gefordert hat.

Im Bewusstsein, dass Menschen nicht durch Erdbeben sterben, sondern weil Gebäude in sich zusammenfallen und die Bewohner von herunterfallenden Gegenständen getroffen werden, hat Japan massiv in Sicherheit investiert. Elastische Hochhäuser schwingen bei Erdstößen mit, die Shinkansen-Schnellzüge werden automatisch gestoppt.

Und dennoch lässt sich die Natur nicht abschalten. Die doppelte Heimsuchung von Erdbeben und dem nachfolgendem Tsunami hat die Nation gestern an ihre Grenzen geführt. Japan hat sein Bestes gegeben, um Erdbeben beherrschbar zu machen. Die Risiken, die der Atomkraft innewohnen, hat das hoch technisierte Land gleichwohl nicht zügeln können.

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