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Neue Einschnitte bei der Telekom

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Bonn/Münster - Mit der Zusammenlegung der Callcenter und der Auslagerung der Netztechnik in Service-Gesellschaften stehen die Mitarbeiter der Telekom erneut vor drastischen Einschnitten. Insgesamt wird der größte europäische Telekommunikationskonzern 53 Callcenter in 39 deutschen Städten und auf 24 Standorte konzentrieren. In Münster werden den 126 Mitarbeitern nach Schließung des Centers Stellen in Recklinghausen angeboten. Den derzeit 160 Beschäftigten im Telekom-Callcenter Osnabrück werden Arbeitsplätze in Bielefeld in Aussicht gestellt.

„Wir sind mit unserer kleinteiligen Organisation nicht auf dem Stand der Wettbewerber“, begründete der Kundenservice-Chef von T-Home, Thomas Berlemann, am Donnerstag in Bonn die Maßnahme. 8000 Beschäftigte sind bundesweit betroffen. Allen wird an anderer Stelle ein gleichwertiger Arbeitsplatz angeboten.

Darüber hinaus sollen rund 6000 Mitarbeiter der Netzwerksparte in die im vergangenen Jahr gegründete Sparte T-Service verlagert werden, wo sie unter anderem vier Stunden pro Woche länger arbeiten müssen. „Das Gehalt wird auf das Niveau der Servicegesellschaften gebracht werden“, sagte Personalchef der Festnetzsparte T-Home, Dietmar Welslau. Die Telekom hatte im vergangenen Jahr rund 50 000 Beschäftigte nach einem harten Konflikt mit der Gewerkschaft Verdi in den Bereich T-Service verlagert, wo die Beschäftigten zu schlechteren Konditionen arbeiten.

Verdi kritisierte die ankündigten Maßnahmen der Telekom scharf und kündigte Widerstand an. Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder sprach von einem Kahlschlag und einer beispiellosen Rücksichtslosigkeit. Der eigentliche Skandal liege aber darin, dass sich die Deutsche Telekom aus der Fläche zurückziehe, betonte Schröder, der zugleich stellvertretender Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrates ist.

„Wir werden versuchen, das unausgewogene Konzept der Telekom zu Fall zu bringen“, sagte Verdi-Vertreter Ado Wilhelm. Er befürchtet, dass die Telekom den Mitarbeitern, für die ein Arbeitsplatzwechsel nicht zumutbar sei, keinen neuen Job anbieten kann. Als zumutbar bei der Telekom gilt unter anderem eine Anfahrtszeit zum Arbeitsplatz von bis zu zwei Stunden. Von den 8000 betroffenen Mitarbeitern der Callcenter sollen laut Telekom knapp 1500 Beschäftigte aus dieser Zumutbarkeitsregelung herausfallen.

Auch die Kommunikationsgewerkschaft DPV nannte die Schließungen der Callcenter unsozial und kundenfeindlich.

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