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IVZ-Lokalfenster - Tecklenburger Land

Neun Jahre für brutalen Überfall

Günter Weber

Münster/Riesenbeck. Er hatte wohl mit einer hohen Bestrafung gerechnet, der 23-jährige Angeklagte, der nach Überzeugung des Gerichts an einem äußerst brutalen Überfall vor knapp zwei Jahren in Riesenbeck bzw. Münster beteiligt war. Ohne ein äußeres Zeichen der Regung nahm der Mann das Urteil der 7. Großen Strafkammer entgegen, die ihn wegen erpresserischen Menschenraubs zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilte.

Der 23-Jährige gehörte zu den insgesamt fünf Männern, die in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 2006 in Riesenbeck und anschließend in Münster eine damals 60 Jahre alte Juwelierin und ihren 69-jährigen Lebensgefährten über sieben Stunden in ihrer Gewalt hatten. Drei der maskierten und bewaffneten Täter waren gegen 23 Uhr über den Balkon in die Wohnung des Paares einstiegen. Sie überwältigten ihre Opfer, wobei sie dem Kaufmann Pfefferspray in die Augen sprühten und ihm anschließend Mund und Nase mit Paketband verklebten. Dann entführten sie das Paar nach Münster in die Bahnhofstraße, wo die heute 62-Jährige ein Juweliergeschäft betreibt.

Das Gericht blieb mit dem Urteil nur knapp unter dem Antrag des Staatsanwaltes, der neun Jahre und sechs Monate beantragt hatte. Wie der Vorsitzende Ewald Rocznik in seiner Urteilsbegründung ausführte, hat die Kammer nach der Beweisaufnahme nicht zuletzt aufgrund des ausgewerteten Handyverbindungen und einer früheren Lichtbilder-Identifizierung durch einen der verurteilten Männer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten, der bis zuletzt seine Beteiligung an dem Überfall abgestritten habe.

Zulasten des Angeklagten werteten die Richter das äußerst brutale Vorgehen der Beteiligten. Die Geschädigten hätten rund sieben Stunden unter Todesangst gelitten, immer wieder sei die Juwelierin, die mit dem Wortführer verhandelte, mit der Waffe bedroht worden. Ihr Lebensgefährte sei aufgrund der strammen Knebelung beinahe erstickt. Noch heute leide die Frau unter den Folgen dieser schrecklichen Nacht, habe das Geschehen immer noch nicht ganz verkraftet. Sie hatte eine Gehirnerschütterung und Prellungen davongetragen, ihr Lebensgefährte mehrere Rippenbrüche.

Der Verteidiger des 23-Jährigen hatte erhebliche Zweifel an der Schuld seines Mandanten. Er sei nur auf Fotos und nicht in der Hauptverhandlung identifiziert worden. Keine Person habe ihn erkannt oder am Tatort gesehen. Daher sei der Angeklagte freizusprechen.

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