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Neun Mann – ein Ziel

Ansgar Griebel

Münster. Für den Achter der Kanadier hat es noch nicht ganz gereicht, doch ihre persönlichen Weltmeisterschaftsambitionen haben die neun Besatzungsmitglieder des deutschen Ruderachters am Sonntag auf dem Rotsee zu Luzern wohl souverän ins Ziel gerudert. Beim wohl traditionsreichsten Weltcup in der Schweiz erkämpfte sich das Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes (DRV) einen starken zweiten Platz hinter dem Boot Kanadas und rettete den eigenen Verband damit so eben über ein ansonsten mehr oder weniger komplett missglücktes Rennwochenende hinweg. Bundestrainer Dieter Grahn ist nach den Wettbewerben Rennen sofort zurück in seine ostdeutsche Heimat gereist, „und wollte da in seiner Laube ein paar Stunden in sich gehen“, wie Philipp Stüer verrät.

Doch das Ergebnis dieser stillen Gedankenspiele macht dem Münsteraner derzeit keine Sorge. „Ich gehe jetzt fest davon aus, dass wir in diesem Achter auch bei der Weltmeisterschaft in München fahren“, ist der Münsteraner zuversichtlich, dass durch das gute Abschneiden in Luzern alle Plätze im Großboot fest vergeben sind. „Der Bundestrainer wird sich wohl eher Gedanken um den Vierer machen müssen.“ Der nämlich verpasste das A-Finale und sieht den Welttitelkämpfen im eigenen Land vergleichsweise ratlos entgegen. „Das Gefühl kenne ich“, erinnert sich Philipp Stüer an seine eigene Laufbahn im Vierer, als kurz vor den Olympischen Spielen in Sydney kurzfristig neu selektiert werden musste – und der Vierer dann bei Olympia mit Stüer als Ersatzmann weit hinter den Medaillenkandidaten her ruderte.

Erst drei Jahre später war der Deutschland-Vierer dann wieder voll wettkampffähig – mit Stüer an Bord. Bei den Weltmeisterschaften in Spanien wurde das DRV-Quartett Weltmeister. Inzwischen ist Stüer umgestiegen und hat im vergangenen Jahr im englischen Eton auch im Großboot den WM-Titel nach Deutschland gerudert. Stüer ist gemeinsam mit seinem langjährigen Zweier- und Viererpartner Bernd Heidicker inzwischen fester Bestandteil des Deutschland-Achters. Heidicker gibt im Bug den Schlag vor, Stüer sitzt direkt dahinter.

So wird es auch in sechs Wochen in München sein, davon sind alle Beteiligten spätestens nach dem vergangenen Wochenende fest überzeugt. Mit Ausnahme des US-amerikanischen Bootes und dem stets geheimnisumwitterten Ruderern aus dem Reich der Mitte waren alle namhaften Konkurrenten in der Schweiz am Start. „An diesem Egebnis kann man schon etwas ablesen“, so Stüer. Dass es am Ende „nur“ zu Rang zwei reichte, sei zwar schade gewesen, habe aber auch sein Gutes. „Wir wissen, wo wir die Zeit verloren haben, am Start einige Zehntel und zwei Sekunden auf den mittleren 1000 Metern, das sind beides Dinge, an denen wir im Training gut arbeiten können“, so Stüer, allerdings wäre es auch schön gewesen, die Kanadier schon einmal probeweise hinter sich zu lassen, damit man bei der WM auch weiß, wie das geht.

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