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Neuseeländisches Tagebuch

Hans Gerhold

Filme aus Neuseeland tragen nicht allein Hobbits im Gepäck, sie weisen wie bei „Whale Rider“ darauf hin, dass hier anspruchsvolle tiefschichtige Filmkunst produziert wird, die jeden Vergleich aushält. Etwa dies Drama von Regiedebütant und Drehbuchautor Brad McGann.

Siebzehn Jahre nachdem er sein abgelegenes Heimatdorf in Neuseeland verlassen hat, kehrt Fotograf und Kriegberichterstatter Paul (Matthew MacFayden) zurück, um den Vater zu beerdigen. Er geht nicht auf den Friedhof, sieht sich mit der Familie des Bruders konfrontiert, die das Haus des Vaters verkaufen will. Der ausgebrannte Paul richtet sich dort und in einer Waldhütte ein, die dem Vater als Rückzugsgelegenheit vor der Welt diente, und arbeitet als Aushilfslehrer.

Paul freundet sich mit Celia (Emily Barclay), der 16-jährigen Tochter seiner Jugendliebe Jackie an, die Schriftstellerin werden will, findet in ihr die Träume wieder, die er selbst als Teenager hatte, und stößt auf ein Foto, ein Datum, einen Weltatlas und ein Tagebuch: Indizien für Geheimnisse der Vergangenheit, die jetzt noch mit voller Wucht wirksam werden.

Weil etliche hier nicht genannte Personen mitmischen, wird nicht mehr verraten. Bis zur letzten, nicht vorhersehbaren Wendung lebt „In meines Vaters Versteck“ (Originaltitel) durch seine geschickte Rückblendenstruktur von der Vernetzung der Vergangenheit und der Gegenwart und dem Motiv der Wiederholung tragischer Ereignisse. Die wunderschön aufgenommene raue Landschaft Neuseelands, Lieder von Patti Smith („Horses“) und Kiri Te Kanawa (Maori-Balladen) tragen das ihre zu dem intensiv wirkenden und hervorragend gespielten Drama bei.

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