1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Nicht länger auf Stand-by schalten

  6. >

Rot Weiss Ahlen

Nicht länger auf Stand-by schalten

Cedric Gebhardt

Heiligenblut/Ahlen. In Zeiten des Klimawandels hat Energiesparen Hochkonjunktur. Um Strom zu sparen, soll man auch Geräte im Stand-by-Betrieb abschalten. Fußballer im Stand-by-Modus hingegen sind alles andere als angesagt. Und es gibt sie bei RW Ahlen. Wer vermutet, dass nach einer tollen Hinrunde alle im Lager der Rot-Weißen zufrieden ihre Wege gehen, der irrt. Denn für Ole Kittner, Sven Schaffrath (je drei Spiele) und selbst für René Müller, der es auf 14 Einsätze bringt, verlief die Hinrunde alles andere als optimal.

Vor allem Kittner und Schaffrath, im Aufstiegsjahr fest eingeplante Korsettstangen, erfahren in dieser Saison eine unterschiedliche Wertschätzung. Während Kittner in der vergangenen Spielzeit 26-mal zum Einsatz kam, streifte sich Schaffrath gar 34-mal das Trikot über. Doch nichts ist vergänglicher als der Ruhm von gestern. Das bekommen die beiden Verteidiger nun deutlich zu spüren. Für sie gestaltete sich die erste Saisonhälfte wenig erbaulich. Zufrieden sieht anders aus. Daraus macht Sven Schaffrath auch gar keinen Hehl: „Die Hinrunde verlief enttäuschend.“ Warum der Trainer ihn weitgehend nicht berücksichtigte, liegt an der starken Konkurrenz, derer sich Schaffrath durch Ronald Maul ausgesetzt sieht. Aber der 24-jährige Schaffrath gibt sich sportlich: „Das muss ich akzeptieren.“ Womit er sich keinesfalls mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben möchte: „Ich werde noch den einen oder anderen Einsatz haben.“

Eine Kampfansage gibt es auch von U-Boot Ole Kittner, der ebenfalls in dieser Saison noch nicht wirklich aufgetaucht ist. Seit seinem Wechsel in der A-Jugend zu Rot-Weiß verbucht der erst 21-Jährige einen kometenhaften Aufstieg, das Niveau zu halten aber wird ungleich schwerer. Manager Stefan Grädler hat dafür Verständnis: „Ole muss einfach Geduld haben. Er hat einen rasanten Aufstieg hinter sich, da ist es normal, dass es mal einen Knick gibt.“ Er sehe in dem talentierten Innenverteidiger jedenfalls noch jede Menge Entwicklungspotenzial. Kittner selbst ist weit davon entfernt, sich unterkriegen zu lassen: „In der letzten Saison habe ich die komplette Hinrunde gespielt und wenig in der Rückrunde. Genauso schnell kann es diesmal andersherum gehen. Ich hoffe, dass es sich so etwas einpendelt“, erörtert Kittner. Er geht die Sache ähnlich kämpferisch und zuversichtlich wie Kollege Schaffrath an. „Wenn man negativ rangeht, dann bringt das einen nicht weiter. Irgendwann wird sich der Erfolg einstellen.“

Oft für Lars Toborg draußen gelassen wurde auch René Müller, der vor der Saison als „Wunschstürmer“ von Christian Wück angepriesen wurde. Seither ist Müller vor allem eines – Teilzeitarbeiter. Zwar wurde er in 14 von 17 Spielen aufgeboten. Allerdings nur einmal von Beginn an. 13-mal wurde er eingewechselt, sorgte gerade am Anfang der Saison als Joker für Furore. Für mehr reicht es aktuell aber nicht, weil es bei Sturmkollege Toborg wie am Schnürchen läuft. Neid kommt bei Müller indes nicht auf. Im Gegenteil, er bekennt: „Natürlich will ich Stammspieler werden, aber Lars hat eine überragende Hinserie gespielt, das freut mich für ihn.“

Schaffrath, Kittner und Müller stellen kaum verbale Ansprüche. Diese wollen sie künftig lieber spielerisch auf dem Feld formulieren. Ihre Mitspieler sollen den heißen Atem ihrer Konkurrenz im Nacken spüren. Das Trio will in der Rückrunden-Vorbereitung rennen, kämpfen, grätschen bis die Socken qualmen. Sie wollen sich ändern, wollen noch dominanter auftreten. Wollen notfalls selbst die Spikes an die Ellenbogen schnallen. Und sie alle wollen eine Duftmarke setzen, an der die Nase von Christian Wück nicht vorbeikommen kann. Alle drei eint die Hoffnung, dass ihr Vorrat an Stand-by aufgebraucht ist, um endlich öfter – über den Platz schnurrend wie ein Duracell-Hase – alle Energien freisetzen zu können. Klimawandel hin oder her.

Startseite