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Nicht ohne meine Ohrenstöpsel

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Kennt ihr das vielleicht auch? Ihr übernachtet bei eurer Oma – und die schnarcht, dass die Wände wackeln. Klopapier zu Bällchen formen oder Watte in die Ohren stopfen, nichts nützt was. Oma sägt sich hindurch, an Schlaf ist überhaupt nicht zu denken. Oder die Sache mit den Mücken im Sommer. Da ist man überzeugt, vor dem Schlafengehen noch den letzten Flattermann erwischt zu haben – und ssssrrrrrr, schon summt’s wieder nervenaufreibend neben dem linken Ohr.

Mein Patentrezept für solche Fälle, und das, seit ich denken kann, ist rund, rosa und von einer flauschigen Watteschicht umgeben. „Das sind doch meine Ohropax“, klärte mich meine Mutter auf, als ich, knapp siebenjährig, in ihrem Nachttischchen wühlte und auf die Ohrenstöpsel stieß. Seither sind sie und ich unzertrennlich. Und: Ich bin damit nicht allein! 30 Millionen dieser Ohropax classics werden jährlich in einem kleinen Taunus-Ort namens Wehrheim hergestellt: aus Vaseline und Paraffinwachsen zu Kugeln geformt und in Watte gepackt. Zwölf Stunden am Tag läuft die Maschine und das seit dem 22. Oktober 1907. Denn gestern jährte sich der Gründungstag der Firma zum 100. Mal. Meine Ohropax hatten also Geburtstag.

Ohropax, das heißt übrigens soviel wie Frieden für das Ohr (von Latein: „pax“ – Frieden). Und den habe ich noch heute jede Nacht, obwohl mein Mann mindestens so laut schnarcht wie meine Oma früher.Julia Gottschick

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