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Filmrezensionen

„Nine“: Frauen und Filme seines Lebens

Hans Gerhold

Am Anfang war - Fellini. Der schuf 1963 mit seinem avantgardistischen Jahrhundertfilm „8 1/2“ ein Werk, das bis heute Filmemacher und Musiker, zuletzt Mando Diao im Videoclip zu „Before Rock´n´Roll“, inspiriert.

Über die Broadway-Musical-Version „Nine“ (1982) kehrt der Stoff, diesmal als Film-Musical, wieder auf die Leinwand zurück und punktet mit Starbesetzung, sechs Oscar-Preisträgern, Hommage ans goldene Zeitalter des italienischen Films, glamourösen Tänzen und Kostümen, die Maestro Federicos Vorliebe für Dekolletés, Dessous und Strapse spiegeln.

Wie in der Vorlage geht es um die Krise eines Regisseurs, Guido Contini (Daniel Day Lewis), der zehn Tage vor Drehbeginn seines neunten Films (daher der Titel) keine Idee und kein Drehbuch hat. In realen und visionären Begegnungen mit den Frauen und Filmen seines Lebens entsteht die Bilderwelt, die schließlich der Film wird, den Guido mit neuer Energie angeht.

„Nine“ ist optischer Blickfang, inszenatorisch altmodisch - da ist Fellini heute noch Lichtjahre voraus - und theaterhaft, aber mit Gefühl für die geniale Vorlage, wenn einige Szenen im Schwarzweiß der damaligen Zeit gedreht sind und Dialoge aus dem Original in die Handlung und die Songtexte übernommen werden. Auf Fellinis Jubelschluss mit der berühmten Zirkus-Nummer zu Nino Rotas Musik wird verzichtet (gut so, weil die doch nicht zu übertreffen ist), stattdessen ein Epilog erfunden.

Der eigentliche Coup und Grund, ins Kino zu gehen, liegt in der Besetzung. Day Lewis ist kein Marcello Mastroianni, aber wie er sich kettenrauchend an der Rolle reibt, kommt dem Porträt eines krisengeplagten Künstlers nah. Die Frauenriege hat Regisseur Rob Marshall, der in „Die Geisha“ die schönsten Schauspielerinnen Asiens (Michelle Yeoh, Gong Li, Zhang Zhyji) versammelte, gut gewählt.

Marion Cotillard („La vie en rose“) als vernachlässigte Ehefrau Luisa (die einzige mit zwei Liedern) und Stacy Ferguson („Black Eyed Peas“) als Hure Saraghina haben die besten Nummern, weil sie mit Leidenschaft dabei sind, während Kate Hudson als Mode-Journalistin mit dem schmissigen „Cinema Italiano“ ins La Dolce Vita entführt.

Sophie Loren als Guidos Mutter ist verschwommene Erinnerung, Nicole Kidman als Muse und Hauptdarstellerin entrückte Diva, Dame Judi Dench als Kostümbildnerin die erdverbundene Ratgeberin, und als Geliebte hat Penelope Cruz den größten Sex-Appeal.

Für Musical-Freunde, die Marshalls „Chicago“ mochten, sehenswert. Und wer Fellinis Film nicht kennt, sollte das dringend nachholen (bei Arthaus auf DVD).

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