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Cine-Lenz

Noch ein Sequel: „Transformers – Die Rache“

wn

<1>Am ersten Sequel, also dem zweiten Teil, lässt sich in der Regel bestens ersehen, wie viel Substanz in der Story des Originals steckte: War es nur ein „One Hit Wonder“? Nehmen wir „Der Pate 2“ aus dem Jahr 1974 – denn das gilt bis heute als bestes Sequel der Filmgeschichte. Francis Ford Coppola war zwei Jahre zuvor mit dem ersten Teil zur Regieberühmtheit avanciert. Er wusste um das Potenzial, das in seinem Mafia-Epos steckte: Das Sequel erzählte die Familiengeschichte weiter. Es integrierte aber auch eine Rückblende in die Jugend des „Paten“. Der zweite Teil vertieft und ergänzt also das Original. Zusammen ein Meisterwerk.

Bei den großen Trilogien der Massenkultur gilt meistens der Zweitling als gelungenster Part – möglicherweise, weil er weder einen pathetischen Schlusspunkt setzen noch das Spiel eröffnen und zig Charaktere erklären muss. Am deutlichsten ist das in George Lucas’ „Star Wars“-Universum: „Das Imperium schlägt zurück“ war 1980 der zweite Teil der originalen „Star Wars“-Trilogie und bildet bis heute den Höhepunkt der gesamten Reihe. Auch in der zeitlich vorgelagerten zweiten „Star Wars“-Trilogie war „Der Angriff der Klonkrieger“ der beste Teil – auch wenn man über die Qualität der gesamten neuen Trilogie (1999 bis 2005) natürlich streiten darf. Debattiert wird unter Fans zudem, ob „Die zwei Türme“ wirklich der beste Teil aus Peter Jacksons „Herr der Ringe“ ist.

Bei den großen Actionhits trennt sich dann die Spreu vom Weizen: Man erkennt gleich, was schon im Ansatz zu Weiterem taugte und was nicht. Der zweite (und bis heute auch beste) „Terminator“ mit Arnie Schwarzenegger setzte 1991 technische Maßstäbe und drehte gleichzeitig den Ton im Action-Genre nach den grimmig-brutalen 80er Jahren mit ihren Rambos und Chuck-Norris-Prüglern ins Postmodern-Ironische: Der Robotermann durfte plötzlich witzig sein. Weitere gelungene zweite Teile, ohne die man sich selbst das Original kaum mehr vorstellen mag, sind „Die Bourne Verschwörung“ und „The Dark Knight“.

<2>Anderen Sequelschöpfern hätte man gerne abgeraten. Sandra Bullock etwa war mehrfach betroffen. Nach ihrem Riesenhit mit „Speed“ hatte sich die Tempo-Hatz vom Bus aufs Schiff verlagert, doch „Speed 2: Cruise Control“ erwies sich 1997 als Desaster. Auch die Neuauflage ihres „Miss Undercover“-Erfolgs enttäuschte. Wie begrenzt tauglich eine einmal zündende Idee sein kann, bewiesen groteske Langweiler wie „Dumm und Dümmerer“, „Familie Klumps und der verrückte Professor“, „Bridget Jones 2“, „Sister Act 2“ und auch „Matrix Reloaded“.

In der Sequel-Flop-Parade ganz vorne sind aber auch jene zweite Teile, die aus unerfindlichen Gründen viel später aus der Versenkung emporsteigen: 15 Jahre nach „Die Klapperschlange“ verhob sich John Carpenter an „Escape from L.A.“. Zehn Jahre nach „Akte X“ sorgte „Akte X: Jenseits der Wahrheit“ für Kopfschütteln. Der Agent, der dem 90er-Jahre-Sexsymbol Sharon Stone 14 Jahre nach ihrem Thriller-Hit „Basic Instinct“ zum Sequel „Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Trammell“ riet, wurde hoffentlich gefeuert. Denn wo schon alles erzählt worden ist, ist jeder zweite Teil ein ganzer Teil zu viel.

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