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Neuer Biosprit

Noch sprudelt kein E10 - ADAC skeptisch

Jürgen Grimmelt

Münster - Ulrich Heiden wollte es wissen und hängte sich ans Telefon. Der ADAC-Techniker weiß nicht mehr genau, wie viele Tankstellen er in Münster angeklingelt hat. Aber es waren eine Menge. So viel ist sicher. Das Ergebnis seiner Umfrage, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, war ernüchternd: Die neue Benzinsorte, die das Kürzel E10 trägt und zum Klimaschutz beitragen soll, ist in der Domstadt einfach nicht zu bekommen.

Und dabei sollte doch zum Jahreswechsel mit der Einführung begonnen werden. Münster - eine Stadt der Biosprit-Ahnungslosen? Nicht ganz. Ulrich Heiden hat die ersten Vorboten bereits ausgemacht: „An der Shell-Tankstelle in Albachten steht der Schriftzug E10 schon am Preis-Pylon, er ist allerdings noch abgeklebt.“ Also alles nur eine Frage der Zeit?

Diesen Eindruck bestätigen auch Nachfragen bei Mineralöl-Konzernen und Tankstellen-Pächtern. „An allen 2185 Shell-Stationen in Deutschland gibt es zur Zeit noch kein E10. Im Laufe des ersten Quartals wird sich das aber ändern“, kündigte Cornelia Wolber aus der Shell-Konzernzentrale in Hamburg an. Ein genaueres Datum war der Pressesprecherin nicht zu entlocken.

Viel konkreter waren die Kollegen von der Konkurrenz auch nicht. Die Orlen GmbH in Elmshorn, die in Münster mit mehreren Star-Tankstellen vertreten ist, mailte auf Anfrage: „Der Kraftstoff Super E10 wird voraussichtlich ab Mitte März an den Star-Tankstellen in Münster verfügbar sein.“ Auf diesen Zeitkorridor haben sich offenbar auch die übrigen Anbieter eingeschossen. „Ende Februar, Anfang März“, ist immer wieder zu hören. Die Umstellung der Raffinerien auf die Produktion des neuen Biosprits und das Umrüsten der Tankstellen bräuchten eben ihre Zeit.

An vielen Tankstellen wird mit der Einführung des neuen Kraftstoffs übrigens das Normal-Benzin, das in den letzten Jahren nur noch einen geringen Marktanteil hatte, an den Zapfsäulen verschwinden. So auch bei den 15 Münster-Tankstellen der Westfalen AG. Hildegard Werth von der Pressestelle: „Das war ohnehin ein Auslaufmodell.“

Dr. Peter Meintz vom ADAC Westfalen sieht die Einführung des neuen Kraftstoffs kritisch. Er befürchtet steigende Preise und bezweifelt, ob sich mit der Verdoppelung des Bio-Ethanol-Gehalts tatsächlich die Klimabilanz verbessern lasse. Problematisch werde es für diejenigen Autofahrer, deren Wagen den neuen Sprit nicht vertragen. Und das seien immerhin zehn Prozent aller Autos mit Benzinmotor.

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