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Nordirland: Der Terror ist zurück

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London - Der Terror ist nach Nordirland zurückgekehrt. Am Samstagabend wurden zwei Soldaten in Antrim erschossen, vier weitere Menschen erlitten schwere Verletzungen. Es ist das erste Mal seit 1997, dass Angehörige der Sicherheitskräfte in Nordirland von Terroristen ermordet wurden. Eine Splittergruppe der IRA bekannte sich gestern Abend zu dem Anschlag.

Es passierte in der Kleinstadt Antrim, vor der Massereene-Kaserne des 38. Pionierregiments, am Samstag um 21.40 Uhr: Die Täter nutzten die Lieferung eines Pizzadienstes aus, um sich in dessen Windschatten der Kaserne zu nähern und das Feuer auf die Wachsoldaten zu eröffnen. Mit mehreren Stößen aus automatischen Schusswaffen mähten sie vier Militärangehörige nieder, die die Pizzalieferung entgegennehmen wollten. Selbst als die Opfer schon am Boden lagen, schossen die Terroristen weiter. Auch die zwei Pizzaboten gehören zu den Verletzten.

Ein Zeuge berichtete: „Ich hörte eine Menge Schüsse, vielleicht zehn bis zwanzig. Dann heulten die Sirenen los.“ Innerhalb von Minuten waren Polizei und Ambulanzen am Tatort. Die Täter, zwei Schützen und ein Fahrer, entkamen jedoch in ihrem Fluchtauto.

Als einen „Akt krimineller Barbarei“ verurteilte der Nordirlandminister Shaun Woodward den Anschlag. Auch der Premierminister Gordon Brown verdammte den „bösartigen und feigen Angriff“ und sagte, dass er alles in seiner Macht tun werde, „um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen“. Er werde nicht zulassen, dass der Anschlag den Friedensprozess in Nordirland gefährden würde.

Schon seit Monaten hatte sich die Situation in Nordirland immer mehr zugespitzt. Während sich die beiden größten katholischen und protestantischen Parteien, Sinn Fein und die DUP, die Macht innerhalb der Regionalregierung teilen, hat sich an der republikanischen Basis eine neue Generation des Widerstands gegen die britische Vorherrschaft in Nordirland formiert.

Hugh Orde, der Polizeichef der Provinz, warnte erst vor ein paar Tagen vor der Gefahr von Terroranschlägen gegen die Sicherheitskräfte: „Die Drohung wächst. Sie ist sehr spezifisch - die Dissidenten sind entschlossen, einen Polizeioffizier umzubringen. Wir hatten seit November fünfzehn Anschläge, von Schießereien über Sprengfallen und Landminen bis zu der 250-Pfund-Bombe im letzten Monat.“

Ordre hatte deshalb am Freitag die Unterstützung der britischen Armee und des Inlandgeheimdienstes MI5 angefordert. Das hatte zu energischen Protesten seitens der Sinn-Fein-Partei geführt, die von „Panikmache“ sprach und behauptete, dass Orde die Gefahr übertreiben würde. Die Ereignisse haben nun die Befürchtungen des Polizeichefs grausam bestätigt. Sinn Fein muss sich vorwerfen lassen, die Bedrohung bemäntelt und die Kontrolle über das republikanische Lager verloren zu haben.

„Die Täter“, meinte der Sicherheitsexperte Kevin Toolis, „kommen zweifellos aus der republikanischen Gemeinde. Da gibt es eine neue Führerschaft für eine neue Generation des Terrorismus.“

Der 30jährige Bürgerkrieg in Nordirland hatte mehr als 3000 Tote gekostet. Das Friedensabkommen, das 1998 abgeschlossen wurde, hatte schließlich im Mai 2007 zur Einsetzung einer machtteilenden Regionalregierung in Belfast geführt.

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