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Nordkoreas Rakete wohl abgestürzt - Kim lässt die Muskeln spielen

dpa- Korrespondent Dirk Godder

Seoul - Während US-Präsident Barack Obama in Prag für seine Vision einer atomwaffenfreien Welt wirbt, schürt die selbsternannte Atommacht Nordkorea mit einem Raketenstart neue Ängste. Zweieinhalb Jahre nach seinem weltweit verurteilten Atomtest fordert das Regime die internationale Gemeinschaft mit dem Start einer mehrstufigen Rakete erneut heraus.

Entgegen ersten Behauptungen aus Pjöngjang ist der Start eines nordkoreanischen Satelliten aber offenbar fehlgeschlagen. Es sei nach dem Raketenstart über Japan hinweg kein Objekt in die Erdumlaufbahn eingetreten, teilte die nördliche Kommandostelle der US-Streitkräfte gestern mit.

Die erste Stufe der Rakete sei ins japanische Meer und die restlichen Stufen mit der Traglast in den Pazifik gestürzt. Es seien keine Trümmer auf Japan niedergegangen. Auch der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Sang Hee sagte vor Abgeordneten in Seoul, es seien vermutlich alle drei Stufen der Rakete ins Meer gestürzt.

Ganz gleich, ob es sich wie behauptet um einen - scheinbar missglückten - Satellitenstart handelte oder nicht: Mit dem erfolgten Abschuss seiner Rakete hat Nordkorea aller Welt bewiesen, dass es in der Lage ist, Langstreckenraketen zu bauen. „Neben seiner Nuklearkarte hat es jetzt auch eine Raketenkarte“, meinte ein Experte.

Mit dem Raketenstart wollte das kommunistische Regime nach Ansicht von Beobachtern Stärke demonstrieren - nach außen wie auch nach innen. Pjöngjang verspreche sich dadurch unter anderem eine stärkere Position bei Verhandlungen mit der neuen US-Regierung über sein Atomwaffen- und Raketenprogramm, sagt der südkoreanische Politologe Paik Hak Soon vom privaten Sejong-Institut bei Seoul. Pjöngjang nutze bewusst die „goldene Gelegenheit“ der Übergangszeit aus, bis das außenpolitische Team von US-Präsident Obama seine Nordkorea-Politik ausformuliert habe.

Auch könnte der Raketenstart aus Sicht Südkoreas das Ziel gehabt haben, die Autorität von Machthaber Kim Jong Il zu stärken, der im August einen Schlaganfall erlitten haben soll. Der Zeitpunkt des Raketenstarts wurde deshalb bewusst gewählt. Nur einen Tag, nachdem das zuvor genannte Startfenster von Samstag bis Mittwoch ablaufen sollte, soll die neu gewählte Volksversammlung am kommenden Donnerstag zu seiner konstitutiven Sitzung zusammentreten.

Es wird erwartet, dass Kim dabei in seinem Amt als Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission - dem mächtigsten Gremium in Nordkorea - bestätigt wird. Schon die Wahl im März sollte zeigen, dass Kim weiterhin die Zügel in der Hand hat.

Die Verbesserung der Raketentechnologie sei zudem Teil der Nuklearambitionen des Landes, meint Experte Paik. Atomwaffen ohne effektive Trägersysteme wären als Abschreckung wirkungslos. Nordkorea habe bei seinem riskanten Spiel vor allem die Sicherheit des Regimes im Auge. Raketen waren in der Vergangenheit zudem ein wichtiges Exportgut des Landes, das weitgehend von allen wichtigen Handelsströmen abgeschnitten ist.

Auch gibt es in den USA seit längerem Befürchtungen, dass Iran und Nordkorea, die beide wegen ihrer Atomprogramme im Streit mit der internationalen Gemeinschaft liegen, bei der Raketentechnologie zusammenarbeiten. Erst im Februar dieses Jahres brachte der Iran erfolgreich einen Satelliten in die Umlaufbahn.

Die Reaktionen Chinas und Russlands als Vetomächte im Weltsicherheitsrat werden jetzt erheblich das weitere Vorgehen der USA und anderer Länder wie Südkorea und Japan gegen die erneut als Provokation verurteilte Handlungsweise Nordkoreas beeinflussen.

China hatte von vornherein betont, dass es Sanktionen gegen Pjöngjang ablehnen werde. Trotz aller Androhungen strikter Gegenmaßnahmen und dem Gang vor den Weltsicherheitsrat hatten die USA jedoch schon vor dem Raketenstart betont, dass sie den Dialog mit Nordkorea suchen wollten. Oberste Priorität bleibt die Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel.

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