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Wiederaufnahme des „Lustreisen“-Prozesses

Nottenkempers Erklärung erstaunt den Staatsanwalt

wn

Münster - Der „Lustreisen“-Prozess gegen den Geschäftsführer der Wohn- und Stadtbau, Klemens Nottenkemper, wird seit heute Morgen vor dem Landgericht Münster neu aufgerollt. Nottenkemper wird vorgeworfen, zwischen 2004 und 2006 vier Informationsreisen des Aufsichtsrates organisiert zu haben, bei denen Freizeitvergnügungen im Vordergrund standen. In erster Instanz war Nottenkemper der Untreue für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 16.000 Euro verurteilt worden. Daraufhin ging er in Berufung. In zweiter Instanz hatte der Richter im Februar vorgeschlagen, das Verfahren einzustellen, falls Nottenkemper eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro akzeptiere. Dies lehnte der Geschäftsführer ab – er sei „unschuldig“. Wenig später platzte die Berufung aus Termingründen. Zum Auftakt der heutigen Verhandlung hob Nottenkemper erneut die große Bedeutung der umstrittenen Aufsichtsratsreisen hervor. "Solche Fahrten bringen immer etwas", betonte er. Er selbst habe "niemals" Bedenken gegen die Fahrten gehabt. Dass sie zu einem Verfahren gegen ihn geführt haben, sei für ihn "total überraschend" gewesen. Dass seit 2007 keine Fahrten mehr stattgefunden haben, bezeichnete Nottenkemper als "bedauerlich". Der Aufsichtsrat sei sich heute nicht mehr "so nah" wie früher. Der Staatsanwalt zeigte sich über Nottenkempers Erklärung erstaunt. Aufgabe des Aufsichtsrates sei es, die Wohn- und Stadtbau zu kontrollieren - jedoch nicht, sich mit ihren Vertretern zu "verbrüdern". "So, wie die Fahrten durchgeführt wurden, waren sie untragbar." Unterdessen hat offenbar ein Münsteraner gegen den Richter im Februar-Verfahren Anzeige erstattet wegen des Verdachts der versuchten Rechtsbeugung. Dabei bezieht sich der Vorwurf auf die anfängliche Zurückweisung eines Beweisantrags durch das Gericht, wonach ein früherer Beigeordneter der Stadt als Zeuge vernommen werden sollte. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Er soll mindestens bis Mitte November laufen. Als Zeugen sind in den kommenden Wochen unter anderem der frühere Oberbürgermeister Berthold Tillmann und die frühere Dezernentin Agnes Klein geladen.

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