1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. NRW-Ministerium: Ex-Abteilungsleiter korrupt?

  6. >

NRW-Ministerium: Ex-Abteilungsleiter korrupt?

Wilfried Goebels

Düsseldorf - Wegen Korruptionsverdachts in Millionenhöhe ist ein ehemaliger Mitarbeiter des NRW-Umweltministeriums festgenommen worden. Dem 55-jährigen Harald F. aus Meschede, der von der ehemaligen grünen Umweltminister Bärbel Höhn ins Ministerium geholt worden war, werden gewerbsmäßiger schwerer Betrug sowie Untreue vorgeworfen, erklärte die Staatsanwaltschaft Wuppertal.

Danach sollen dem Land 4,3 Millionen Euro Schaden entstanden sein, weil der Beamte Mittel aus der Abwasserabgabe zweckwidrig verwendet haben soll. So soll F. mit anderen Tatverdächtigen Gelder aus der Abgabe von 2003 bis 2006 nicht für Forschungsprojekte, sondern für Ingenieurleistungen und Programmiertätigkeiten verschiedener Institute der Universitäten in Bochum und Aachen eingesetzt haben. Teilweise sollen Tätigkeiten auch überhöht abgerechnet worden sein.

Nach unbestätigten Hinweisen soll es auch um den Verdacht der Bestechlichkeit gehen. Insgesamt gibt es 13 weitere Tatverdächtige. In einer bundesweiten Razzia wurden gestern 45 Objekte wie Wohn-, Instituts- und Geschäftsräume in Aachen, Bochum, Düsseldorf, Heinsberg, Hilden, Köln, Meschede, Schwelm und Wuppertal sowie in Hessen und Baden-Württemberg durchsucht.

Schon 2006 waren der Hausspitze im Ministerium „Unregelmäßigkeiten“ bei der Mittelvergabe durch den grünen Abteilungsleiter aufgefallen. Die Aufträge nach Aachen hätten sich „gehäuft“, erinnert sich ein Ministerialer. Die neue Führung unter Minister Eckhard Uhlenberg (CDU) vermutete Vetternwirtschaft.

Als Harald F. nach einem Urlaub zu seinem Arbeitsplatz im Ministerium kam, händigte ihm der Pförtner die Kündigung aus. Dagegen klagte der Betroffene 2006 vor dem Arbeitsgericht. Das Umweltministerium einigte sich auf einen Vergleich, um – so die Behörde – einen jahrelangen Rechtsstreit mit F. zu vermeiden. Zum 30. Juni 2006 wurde das Arbeitsverhältnis beendet: F. kassierte noch eine Abfindung über 75 000 Euro.

Startseite