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Nun hat es die Preußen erwischt: 0:1 gegen Hamm

Alexander Heflik

Münster - Als gut eine Stunde vor Anpfiff aus der Gästekabine im Umkleidetrakt der Heavy-Metal-Klassiker „Highway to hell“ von AC/DC wummerte, konnte das eigentlich nur zwei Dinge bedeuten. Ein schlechtes Omen für den Hammer SV, dem eine infernalische Niederlage nach dem Marsch durch den Spielertunnel im Preußen-Stadion bevorstand, und dies war praktisch die selbst gewählte Ouvertüre des Niedergangs. „Autobahn in die Hölle“ heißt der Song von den australischen Alt-Rockern. Oder, was im Nachhinein wahrscheinlicher ist, das Team hat sich dermaßen damit aufgepeitscht, dass die in diabolisch roten Jersey gewandeten Hammer den bis dato ungeschlagen Tabellenführer in die Schranken gewiesen haben. Preußen gegen Hamm, 0:1, nach 19 Pflichtspielen ohne Niederlage hat es den Tabellenführer erwischt. 3425 Besucher waren Zeugen.

„Es war ein recht gutes und schnelles Spiel mit vielen Zweikämpfe und viel Action. Aus meiner Sicht war der Sieg verdient“, bilanzierte Hamms Coach Thomas Stratos wohlmeinend. Als Waldemar Jurez nach 58 Minuten das Tor des Tages markierte, war es letztlich um die Hausherren passiert. Irgendwann reißt jede Serie. Der deutsche Rekordmeister Bayern München ging am Samstag beim VfB Stuttgart mit 1:3 unter, erste Pleite der Bajuwaren in dieser Saison. Münster erging es als Oberliga-Primus nicht besser.

„Die erste Halbzeit waren wir ganz gut auf dem Platz. Nach vorne fehlte uns aber der letzte Ball, die letzte Durchschlagskraft. Die Niederlage bringt uns nicht vom Kurs ab“, wollte SCP-Coach Roger Schmidt nicht zu hart mit seiner Elf ins Gericht gehen. Aber momentan stottert der Motor, Zehn Punkte „nur“ aus den letzten sieben Spielen, nun die erste Niederlage, die unerhörte Leichtigkeit des Seins der ersten Wochen ist verfolgen.

Gegen Hamm wurde deutlich, dass die Preußen mit ihrem Hurra-Fußball für den Moment an die Grenzen gestoßen sind. Die Gegnerschaft hat die Schwächen beim Spitzenreiter erkannt und Antworten gefunden. Roger Schmidt hatte zu Recht in den vergangenen Wochen stets dem erfolgreichen System vertraut, nun wird er vermutlich wieder stärker an einigen Rädchen drehen, das Gefüge justieren müssen.

Hamm spielte dizipliniert, ohne taktische Mängel und, was noch wichtiger war, den Bodenverhältnissen angepasst ohne Schnörkel. Darüber hinaus legten die Gäste die Offensiv-Abteilung Münsters nahezu komplett lahm. Münsters Flügelspieler David Lauretta und Massih Wassey blieben völlig wirkungslos, Regisseur Mehmet Kara agierte oft verzweifelt eigensinnig und fand kaum einmal eine Anspielstation, Michael Erzen wiederum als einziger Stürmer vergab die meisten der raren Strafraumszenen.

Bis zum Rückstand, also fast eine Stunde, versuchten die Hausherren die Dinge spielerisch zu lösen. Eigentlich unmöglich bei starkem Wind, zwischenzeitlichem Regenguss, einem extrem schwierigen Geläuf und einem solch robusten und zielstrebigen Gegner wie Hamm.

Erzen hatte nach neun Minuten eine Chance, Özkara in der 42. Minute einen Kopfball gesetzt. Das war's auch schon, während Hamm seinerseits auch nur Chancen durch Sven Heinze und Sven Dyballa hatte. Kurzweil sieht anders aus.

Erst mit dem 0:1 durch den früheren Rostocker Jurez bekam die Begegnung richtig Feuer. Münsters Abwehrchef Özkara rückte in nun in den Angriff, die nicht funktionierende Flügelzange Wassey/Lauretta wurde ausgetauscht, doch bis auch Michael Erzen (67.) und einen Kopfball von Özkara (88.) fehlten weitere Möglichkeiten. Hamms Jurez (79.) vergab vielmehr allein vor Joswig.

Dann war Schluss, Hamm feierte, in der Kabine wurde die portable Stereoanlage wieder aufgedreht. Es war laut, sehr laut, auch noch, als der Mannschaftsbus des Hammer SV auf der B 63 den Ortseingang erreichte . . .

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