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Nur die halbe Wahrheit

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Allen Beteuerungen der CDU zum Trotz, man wolle keine Schulstruktur-Debatte führen: Ministerin Sommer hat sie am Dienstag selbst wieder angeheizt. Bei der Schuljahreskonferenz legte sie den Fokus auf das schlechtere Abschneiden der Gesamtschüler gegenüber den Gymnasiasten. Ihr Ziel: die Verteidigung des dreigliedrigen Systems in NRW. Jegliche Begehrlichkeiten nach einer offenen Diskussion zu veränderten Schulstrukturen sollen so augenscheinlich im Keim erstickt werden. Doch damit hat sie das Thema zunächst einmal wieder mit Verve auf den Tisch gebracht.

Die nackten Zahlen sagen, dass Gesamtschüler im Durchschnitt schlechtere Noten als Gymnasiasten erzielen und dass das Risiko, im Zentralabitur das Klassenziel nicht zu erreichen, an Gesamtschulen ungleich höher ist als an Gymnasien. Doch die Zahlen spiegeln nicht die ganze Wahrheit wider. Fakt ist auch, dass sich die Schülerklientel erheblich unterscheidet. Jugendliche aus „bildungsferneren“ Elternhäusern haben an Gesamtschulen viel eher die Chance, das Abitur zu machen, als an Gymnasien. Insofern verdienen Gesamtschulen durchaus Beachtung und Unterstützung. Ihre Arbeit stets mit Skepsis zu beurteilen, ist ebenso unangebracht wie die früheren einseitigen Lobpreisungen der SPD-Landesregierungen.

Das angekündigte Maßnahmenpaket kann diesen Kindern (und auch jenen auf weniger erfolgreich arbeitenden Gymnasien) nur zugute kommen, wenn es mit entsprechendem Personal unterfüttert wird. Der Finanzminister wird deshalb zweifellos einen kritischen Blick darauf werfen. Das könnte noch ein hartes Ringen werden.

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