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Vorrunde Gruppe D

Nur nicht abheben - Bundestrainer Löw warnt vor Serbien

Achim Muth

Port Elizabeth - Selten zuvor sind einer deutschen Fußball- Nationalmannschaft rund um den Globus so viele Sympathien zugeflogen wie derzeit. Der locker-flockige 4:0-Auftaktsieg über Australien hat Experten wie Fans gleichermaßen verzückt, das Lob für die Elf musste kistenweise ins Quartier Velmore Grande geschleppt werden.

Zu Hause tanzt eine Nation bereits wieder auf der Straße, aus England, Brasilien, Holland gab es Komplimente für den spielerisch überzeugenden Sieg. So muss Bundestrainer Joachim Löw vor der zweiten Partie gegen Serbien am Freitag (13.30 Uhr/live in der ARD) in Port Elizabeth in der Vorbereitung vor allem eines tun: sein Team erden.

Denn schon einmal hatte der Coach eine ähnliche Situation zu meistern. 2008 bei seinem ersten Turnier als Chef, war die Nationalelf ähnlich stark gestartet, es gab ein 2:0 gegen Polen. Doch im zweiten Spiel folgte die Ernüchterung: 1:2-Niederlage gegen Kroatien. Damals hatte sich der Bundestrainer mit seinem Kapitän Michael Ballack eine kontroverse Diskussion um die Ausrichtung geliefert. Der Leitwolf wollte erkannt haben, „dass wir einfach ein paar Prozent nachgelassen haben“ und forderte eine defensivere Einstellung, Löw konterte: „Ich sehe keinen Grund, von unserem Anspruch und der Zielsetzung abzurücken. Ich will spielerische Lösungen suchen.“ Die Elf schaffte es anschließend ins Finale, war dort aber den besseren Spaniern unterlegen.

Diesmal will Joachim Löw einen Rückschlag und lästige Diskussion vermeiden. „Wir treffen auf einen angeschlagenen Gegner, der gerade deshalb aber sehr gefährlich sein wird“, sagt der Bundestrainer, für den die Raumaufteilung der Schlüssel zum Erfolg ist und die Basis für, wie er es neulich ausdrückte, „unsere Kultur des Kombinationsfußballs“. Fußball ist ein Kampfspiel, kein Kampfsport, diese Maxime gilt für Löw auch weiterhin.

Dass sein Team abgehoben sein könnte nach dem traumhaften WM-Beginn, danach sieht es derzeit nicht aus. Schon unmittelbar nach dem Sieg in Durban gaben sich die Kicker selbstbewusst, aber nüchtern: „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen, denn noch haben wir nichts erreicht“, sagte beispielsweise Stürmer Miroslav Klose, und Torwart Manuel Neuer fügte an: „Wir sollten schön auf dem Boden bleiben, schließlich war Australien in der zweiten Halbzeit in Unterzahl.“ Manager Oliver Bierhoff („Ich will ja nicht als Spaßbremse auftreten“) verteilte Medikamente gegen den Übermut in Form von Worten: „Das zweite Spiel ist noch wichtiger“, appellierte er gestern vor dem Abflug nach Port Elizabeth an die Elf. „Wir wollen mit einem Sieg vermeiden, dass das letzte Vorrundenspiel gegen Ghana ein K.o.-Spiel wird.“ Bang ist Bierhoff nicht. Er glaubt nicht, dass die vielen Komplimente zu Kapriolen in den Köpfen der Spieler geführt haben: „Es war keine Überheblichkeit da, sondern eher ein selbstkritischer Umgang. Wir wissen, dass die Serben heiß sein werden, für sie ist es das Spiel des Jahrhunderts.“ Nach dem 0:1 gegen Ghana steht die Elf von Radomir Antic nun mit dem Rücken zur Wand. Deshalb rät Bierhoff: „Wir müssen uns steigern und eine Schippe drauflegen.“ Vor allem in der Chancenauswertung hat er Potenzial erkannt. Auch die Verzahnung der verschiedenen Mannschaftsteile könnte noch enger sein, „da waren die Abstände gegen Australien phasenweise zu groß“.

Gegen Serbien wird vor allem auf die Defensive mehr Arbeit zukommen: Mit dem aus der Bundesliga bestens bekannten und mittlerweile für Ajax Amsterdam stürmenden Marko Pantelic sowie dem 2,02-Meter-Hünen Nikola Zigic vom FC Valencia verfügt der Gegner über einen erstklassigen Angriff. Mit hohen Bällen auf den Riesen, der dann abprallen lässt, soll versucht werden, die nachrückenden Spieler in Position zu bringen. „Es könnte ein Spiel der zweiten Bälle werden“, so Sami Khedira, der als defensiver Mittelfeldspieler besonders gefordert sein wird.

Bastian Schweinsteigers Erkältung ist abgeklungen, dass er spielen kann. Deshalb wird der Bundestrainer wohl keine Veränderung vornehmen. Die siegreiche Elf aus dem Australien-Spiel darf sich auch gegen Serbien beweisen.

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