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Obama vom Borsigplatz

Ahlen - Der Bürgermeister hatte die Einreisegenehmigung erteilt. Die Platzverhältnisse stimmten, die Stimmung war gut. In der „Sparkassen-Arena“ herrschten am Montagabend optimale Bedingungen, um den von Markus Schabel als solchen angepriesenen ...

Cedric Gebhardt

Ahlen - Der Bürgermeister hatte die Einreisegenehmigung erteilt. Die Platzverhältnisse stimmten, die Stimmung war gut. In der „Sparkassen-Arena“ herrschten am Montagabend optimale Bedingungen, um den von Markus Schabel als solchen angepriesenen „Obama vom Borsigplatz“ gebührend zu empfangen. Der Sparkassen-Vorstandschef bescheinigte Jürgen Klopp „eine Leidenschaft für Fußball, die fast ansteckend ist“.

Davon konnten sich die Besucher in der rappelvollen Stadthalle dann auch eindrucksvoll selbst überzeugen. „Kloppo“, der bereits mit 21 Jahren die feste Absicht hegte, Trainer zu werden, fesselte das Publikum mit einem interessanten und vollkommen frei gehaltenen Vortrag. Zunächst bedankte er sich aber bei zahlreichen Dortmund-Fans im Saal, dass diese trotz der 1:2-Niederlage zuletzt in Stuttgart gekommen waren.

Dann aber teilte der Bundesliga-Coach kräftig aus. Mit Unverständnis reagierte er auf die Entlassung seines Kollegen Christian Wück: „Das war völlig unnötig, das wollte niemand, man hat es trotzdem gemacht. Hat jemand hier im Saal Einfluss auf die Entlassung von Wück gehabt?“, fragte Jürgen Klopp. Doch die im Publikum weilenden Rainer Kriwat und Jörg Hellwig hielten sich zurück.

Dafür kam das Gespräch wenig später in einer Frage- und Antwort-Runde schnell auf Kevin Großkreutz, der in seiner Jugend von der Borussia zu Rot-Weiß gewechselt war und nun im Sommer von Ahlen nach Dortmund zurückkehrt. „Wir holen alles zurück, was schon mal beim BVB war. Unsere Spieler müssen jung und ablösefrei sein, das ist wichtig. Falls hier noch einer von dieser Sorte rum rennt, sagt Bescheid“, appellierte Klopp.

Gute Spieler kann er gut gebrauchen bei seinem Projekt „aus einer normalen eine besondere Mannschaft“ zu formen.

Dabei helfen Teambuilding-Maßnahmen der besonderen Art, für die der 41-Jährige bekannt ist. Dabei verfährt er nach dem Motto: „Ein extremes Erlebnis führt zu einem extremen Ergebnis“. So sollen Klopps Kicker die Mitspieler in ungewöhnlichen Situationen kennenlernen und sich gegenseitigen Respekt entgegenbringen.

Eine gehörige Portion davon bekam der BVB-Coach nach seinem Vortrag selbst ab. Den hielt er natürlich nicht für lau, was Klopp angesichts der Finanzkrise prompt als „Vertrauensbildende Maßnahme“ für das gastgebende Finanzinstitut auslegte.

„Der Sparkasse gehts gut. Ich hoffe, ihr merkt davon auch was?“, posaunte Klopp. Und weiter: „Wer so viel Geld dafür ausgibt, dass ich hier bin, dem muss es gut gehen“, bekräftigte Klopp die Liquidität des Veranstalters. Indes müsse er noch lange auf sein Honorar warten. „Ich hab noch nichts bekommen. Bis es von der Sparkasse zur Volksbank überwiesen wird, das dauert ewig“, klagte der Entert(r)ainer Klopp.

Glücklicherweise zählt nicht nur Geld im Leben. Dennoch „ist es sehr ergebnisabhängig, was Menschen von einem halten“. Gemessen an seinem Vortrag ist Jürgen Klopp, den Reaktionen des gesamten Publikums nach zu urteilen, jedenfalls ein spitzen Typ.

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